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Mahnwache gegen Flüchtlingstod im Mittelmeer

08.05.2015 - 0 Kommentare

 

Seligenstadt. „Wir sind hier zusammen, weil erschreckende Dinge im Mittelmeer passieren", sagt Pfarrer Martin Franke in einem großen Kreis von Menschen auf dem Seligenstädter Marktplatz. Mit seinen Seligenstädter und Hainburger Kolleginnen hatte der evangelische Pfarrer kurzfristig zum Gedenken an die Opfer nicht nur der jüngsten tragischen Unglücke mit Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer eingeladen. Rund 90 Männer und Frauen nahmen an der ersten Mahnwache teil. Sie soll ökumenisch fortgesetzt werden.

 

 

 

Es ist ein bewegender Moment, als rund zehn junge Männer sich nach dem offiziellen Teil der ersten Mahnwache im Herzen der Altstadt in einem kleineren Kreis aufstellen und zunächst sprechend, dann singend miteinander für die Opfer der Schiffsunglücke beten. Es sind junge Christen aus Eritrea, einem Land, das nach seiner Trennung von Äthiopien vor wenigen Jahren heute als „Nordkorea Afrikas" gilt. Etliche von ihnen haben es auf jenen Wegen nach Europa geschafft, die in den vergangenen Wochen mindestens 1000 Menschen zum tödlichen Verhängnis wurden.

 

Fast 8000 Menschen haben seit 2011 irgendwo zwischen Afrika und Europa auf schrottreifen oder nicht seetüchtigen Gummibooten ihr Leben verloren. So lauten zumindest die offiziellen Zahlen des UN-Flüchtlingskommissariats. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Aber für Martin Franke und die Menschen, die im Verlauf der Mahnwache ihre Trauer und Solidarität bekundet haben, steht fest: „Es sind Menschen wie wir, die essen, trinken, arbeiten, leben wollen. Aber an den Grenzen Europas versagt das Selbstverständlichste: Menschen aus Seenot zu retten."

 

„Wir haben auch nicht auf alle Fragen eine Antwort – aber den Tod dieser Menschen billigend in Kauf zu nehmen, kann keine Antwort sein", sind sich die Initiatoren der Mahnwache sicher. Deswegen wollen sie weiter mahnen, voraussichtlich ab dem kommenden Dienstag, und dann auch im ökumenischen Verbund.

 

 

Neben den evangelischen Geistlichen hatte auch Pfarrer Stefan Selzer von der katholischen Basilika-Pfarrgemeinde St. Marcellinus und Petrus durch seine Teilnahme Solidarität bekundet. Kai Fuchs

 

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