aktuelles

Feiern und erinnern: Im neuen Myanmar ist kein Platz für Hass

06.03.2015 - 0 Kommentare

„Buddha predigt eine Botschaft des Mitgefühls, Christus verkündet den Frieden auf Erden und Gandhi war ein hinduistischer Apostel der Gewaltlosigkeit."

 

Charles Bo,

 

Erzbischof von Yangon

 

 

 

Rangun (Yangon). Es war ein Aufruf zu Frieden und Verständigung in Myanmar: Im November wurden „500 Jahre Evangelisierung" groß gefeiert. Viele Tausend Christen aus dem ganzen Land trafen sich in Yangon, das früher Rangun hieß und bis 2005 Hauptstadt des Landes Myanmar war (früher: Birma oder Burma). Die Kirche im mehrheitlich buddhistischen Land, wurde im 16. Jahrhundert von portugiesischen Missionaren gegründet.

 

 

 

 

 

 

Einheit der Unterschiede hervorheben

 

 

 

Nur 5,6 Prozent der rund 55 Millionen Einwohnern sind Christen, die Mehrheit in dem Vielvölkestaat (dort leben rund 135 Ethnien) sind Buddhisten. Die Einheit der Unterschiede hervorzuheben ist unter anderem eine große Aufgabe der Kirche. Myanmar zählt heute zu den ärmsten Ländern der Welt und braucht die Hilfe der Welt.

 

Ich verbrachte gerade drei Monate in einem Entwicklungshilfeprojekt in der Mitte des Landes, im Dschungel, am Irrawaddy-Fluss. Bei diesem ers-
ten großartigen Kirchentreffen wollte ich dabei sein. Die 270 Kilometer lange Fahrt nach Yangon dauerte neun Stunden mit dem Zug und Bus. Die Reise war abenteuerlich. Der aus der Kolonialzeit stammende Zug ächzte und schaukelte mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 70 Kilometern pro Stunde.

 

Züge sind wie überall in Indochina beliebte öffentliche Verkehrsmittel und ständig überfüllt. Autos können sich die Menschen nicht leisten. So nahmen auch viele Christen mehrere Tagesreisen auf sich, um beim großen Jubiläum dabei zu sein. Etwa 45.000 aus dem ganzen Land trafen sich für drei Tage, um zu singen und zu beten, Gott zu loben und zu danken, dass sie noch leben und nun langsam anfangen können, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren.

 

Zum großen Festgottesdienst n im Fußballstadion kamen viele Gläubige in traditionellen Gewändern ihrer Stämme. Der Bischof von Bangkok, ein Kardinal aus Indien, die Oberhäupter der buddhistischen und hinduistischen Religionen waren neben Staatsoberhäuptern von Myanmar als Ehrengäste dabei.

 

Eigentlich wäre das Jubiläum schon in 2011 gewesen, aber die politischen Umstände im Land ließen das Feiern nicht zu. Ein offizielles Treffen von Christen war zu unsicher. Doch seit gut zwei Jahren tut sich etwas. Reformen bewirken die Öffnung zur westlichen Welt, ermöglichen den Menschen mehr Frieden und Freiheit – überall merkt man Veränderungen. Dennoch trauen viele Menschen, besonders die Christen, der Regierung nicht. Zu sehr haben sie unter der fast sechzigjährigen Militärdiktatur gelitten. 1965 wurden alle Wirtschaftsunternehmen verstaatlicht und alle Missionare des Landes verwiesen. Noch 2007 wurden Christen als Störenfriede offiziell verfolgt. Christlich geprägte ethnische Stämme wie die Rakhaing oder Karen erfuhren viel Leid.

 

Das Kirchenfest war selbst Ende 2014 noch sehr gewagt. Doch die großen Träume der Christen von einem künftigen Myanmar gründen auf Gerechtigkeit, Frieden und Geschwis-
terlichkeit. Im neuen Myanmar sei kein Platz für Hass, sagte Charles Bo, Erzbischof von Rangun, und verwies in seiner Ansprache auf die lange Geschichte des Landes als Militärdiktatur. „Armut und Verfolgung – sogar Tod – waren unsere Menschen ausgesetzt. Aber niemals zögerten sie, sich zu ihrem Glauben zu bekennen. Wir müssen Friede in unser Land bringen – christliches Leben soll überall stattfinden. Strebt Frieden an mit unseren Mitmenschen Buddhisten, Hindus und auch Moslems", appellierte der Bischof.

 

An diesem Sonntagmorgen setzten die Christen Myanmars ein Zeichen dafür, das Glaube, Hoffnung und Liebe auch lange Jahre der Diktatur überwinden helfen.

 

Unter den Gästen befand sich auch Bruder Andreas von Taizé. Wie ich war er beeindruckt von der großen Menschenmenge, die stundenlang in der heißen Sonne verharrte und auf das Abendmahl wartete. „Auf Reisen in Länder wie diesem wird mir besonders bewusst wie wichtig die politische Kraft des Evangeliums von Jesus Christus ist, um allen Menschen ein menschenwürdiges, lebenswertes Leben in Friede und Glück zu schenken, bei dem niemand ausgeschlossen bleibt", merkte Frère Andreas abschließend an.

 

 

Heike Knauff-Oliver

 

 

 

 

 

Ausstellung: Vom 12. März bis Anfang April ist in der Kreissparkasse Schwalm-Eder, Sparkassenplatz 1 in Schwalmstadt, die Fotoausstellung „Goldenes Land Myanmar" mit Bildern von Heike Knauff-Oliver zu sehen. Ab 23. April stellt sie in der Kreissparkasse in Fritzlar aus.

 

Kommentar schreiben

Mein Probe-Abo

Schenken Sie sich gratis zwei Wochen lang zum Kennenlernen das Kasseler Sonntagsblatt.

Jetzt anfordern