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Verantwortung übernehmen und mit allen teilen

06.03.2015 - 0 Kommentare

 

Gießen-Lützellinden. „In der Nachfolge Jesu ist uns aufgetragen, so wie er den Hunger der Menschen wahr- und ernst zu nehmen, wie es bei den heimischen Tafeln, bei ‚Brot für die Welt’ oder in der Hilfe für Flüchtlinge geschieht." Das hat Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) im Evangelischen Gemeindehaus Lützellinden im Rahmen eines besonderen Gottesdienstes betont. Mit der ehemaligen Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus Wiesbaden hat in Lützellinden erstmals eine Politikerin eine Bürgerpredigt gehalten. „Ernährung" lautete das Thema, zu dem sie die Geschichte von der „Speisung der 5000" aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums, Verse 1 bis 15, auslegte.

 

 

 

 

 

 

Europa muss handeln

 

 

 

 

„Brot für wenige – Brot für alle: Wie (ver)teilen wir unsere Nahrungsmittel?" lautete die ausführliche Beschreibung des Leitgedankens. Eindrücklich malte Wieczorek-Zeul ihren Zuhörern die aussichtslose Situation der Menschen vor Augen, die weltweit nicht genügend Nahrungsmittel zur Verfügung haben. „Jeden Tag sterben 24.000 Menschen an Mangel und Unterernährung", sagte sie. Und dies obwohl global genügend Nahrungsmittel produziert würden. Selbst die Essensrationen in den Flüchtlingscamps seien verringert worden, denn die Mitgliedstaaten der EU hätten die Mittel drastisch zusammengestrichen. „Wir brauchen eine europäische Flüchtlingspolitik, die der christlichen Nächstenliebe verpflichtet ist. Wir brauchen statt der Globalisierung von Gleichgültigkeit die Globalisierung von Mitgefühl und Empathie!"

 

Die europäischen Regierungen müssten die Spekulation mit Nahrungsmitteln eindämmen und dem „Land Grabbing", der illegalen Aneignung von Land, besonders der kleinen Bauern in afrikanischen Entwicklungsländern, Einhalt gebieten. Auch in einem reichen Land wie Deutschland sei es eine Schande, dass es Tafeln geben müsse, weil Menschen nicht genug Mittel zum Leben hätten. „Wir brauchen die Produkte des fairen Handels und müssen auf die Bedingungen achten, unter denen unsere Nahrung und Kleidung hergestellt werden."

 

Der Text aus dem Johannesevangelium appelliere an die Mitverantwortung aller. Das Wunder der Brotvermehrung könne auch heute gelingen, wenn Menschen auch den Hunger nach Orientierung und Gerechtigkeit stillten und für Beteiligung, Menschenrechte und die Respektierung des Völkerrechtes einstünden.

 

In ihrer Begrüßung hob Pfarrerin Ute Kannemann hervor, dass Wieczorek-Zeul 2005 gemeinsam mit dem damaligen namibischen Bischof Zephania Kameeta den Peter-Beier-Preis erhalten hat. Mit diesem Preis würdigt die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) den Verdienst beider für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Namibia. Wieczorek-Zeul hatte 2004 mit den Worten: „Ich bitte Sie im Sinne des gemeinsamen ‚Vater unser‘ um Vergebung unserer Schuld", die Gräueltaten deutscher Kolonialtruppen in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika deutlich in den Blick genommen. Diese Bitte um Vergebung hatte Bischof Kameeta angenommen und damit das Signal zur Versöhnung gegeben.

 

„Ihr Engagement haben auch wir damals aufmerksam wahrgenommen", sagte Kannemann. „Wir haben ja in unserem Kirchenkreis eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Windhoek in Namibia, auch unsere Kirchengemeinde ist in dieser Partnerschaft engagiert."

 

 

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