
Großer Bahnhof für vier Glocken
Kassel. Ein Hauch von Wehmut und Abschiedsschmerz ist auf den Gesichtern der Gemeindeglieder der Kirchengemeinde Wehlheiden zu erkennen. An diesem Morgen sind sie zum Kasseler Katharina-von-Bora-Haus gekommen, um sich von einem wichtigen Teil ihrer Kirche zu verabschieden. Die vier Glocken, die bis vor kurzem noch im Turm an der Franz-Treller-Straße hingen, wurden nun in den Turm der Adventskirche überführt. „Immerhin behalten wir die Glocken im Quartier", meint Pfarrer Rolf Ortwein, gehört die Adventskirche doch auch zur gleichen Gemeinde. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht", fügt er hinzu. Der Turm des Katharina-von-Bora-Hauses, der Mitte der 1950er Jahre eigentlich als Provisorium errichtet worden war, war baufällig und musste stillgelegt werden. Für einen neuen Turm fehlen die finanziellen Mittel. Also fand der Kirchenvorstand die Lösung, die vier Glocken im Turm der Adventskirche unterzubringen. Dieser wurde in den vergangenen Monaten saniert und darauf vorbereitet, die „neuen" alten Glocken aufzunehmen. Dabei handelt es sich um die Töne es´, g´, b´ und c´´, die im Geläut entweder das Gloria-Motiv oder das Tedeum-Motiv ergeben. Schrift und Symbole auf den Glocken hat der Kasseler Bildhauer Hermann Pohl entworfen. Eine Läuteordnung für den neuen Standort ist auch bereits ausgearbeitet. Viele der Zaungäste, die nun erleben, wie die Glocken von einem Kran auf einen Lastwagen verladen werden, haben ganz eigene Erinnerungen an den Klang der Glocken. „Mir fällt der Abschied sehr schwer, ich habe miterlebt, wie der Turm damals gebaut wurde", beschreibt Jutta Börner ihre Empfindungen und schießt noch ein Erinnerungsfoto der festlich geschmückten Klangriesen. Mit einer Andacht verabschiedete die Gemeinde die Glocken auf ihre Fahrt zur Adventskirche. Pfarrer Ortwein erinnerte an die besondere Bedeutung der Glocken für die Menschen. „Der Klang der Glocken hat viel mit Heimatgefühl zu tun." Noch am gleichen Tag wurde das Geläut im Turm der Adventskirche verankert. Bis es zum ers- Für das Katharina-von-Bora-Haus sucht der Kirchenvorstand nach einer Lösung, die finanziell zu bewerkstelligen ist. „Auch hier soll eine Glocke wieder zum Gottesdienst rufen", meint Ruth Sebastian vom Kirchenvorstand. Entweder soll ein kleinerer Turm oder ein Dachreiter ein kleines Geläut aufnehmen. Bis das in die Tat umgesetzt werden kann, werden aber noch ein bis zwei Jahre verstreichen. Britta Gutsch
ten Mal zum Gottesdienst ruft, wird es wahrscheinlich September werden.
