Wir sind Charlie!

16.01.2015 - 0 Kommentare

Eineinhalb Millionen Menschen sind in Paris auf die Straße gegangen für eine freiheitliche Gesellschaft, zum Gedenken an die Toten des Attentats auf die Redaktion des Satireblattes Charlie Hebdo und gegen die Übermacht des Terrors. Ein eindrückliches Zeichen der Solidarität, ein wichtiges Zeichen.

 

Egal, wie man zu den scharfen Überzeichnungen der Satiriker stehen mag, eine große, große Mehrheit hat deutlich gemacht, dass ein solches Massaker durch nichts zu rechtfertigen ist.

 

Doch nach den bewegenden Bildern von den Demonstrationen in Frankreich und auch Deutschland bleibt Ratlosigkeit zurück. Was ist zu tun, um so etwas in Zukunft zu verhindern?

 

Es wird viel miteinander ver-
mischt. Die Rede ist von dem Bild der Attentäter als „Verlierer der Integration". Keine Ausbildung, keine Arbeit, keine Anerkennung. Da haben extremistische Gruppen leichtes Spiel, aus diesen Existenzen am Rande der Gesellschaft Helden im Namen ihrer Religion zu machen. „Allah ist groß" haben die Attentäter bei ihrem unsäglichen Massaker in der Pariser Redaktion geschrien, die Bedeutung haben sie schlechthin selbst nicht verstanden. Ihre mangelnde Bildung – in diesem Falle Glaubensbildung – hat sie zu Mördern im Namen „ihres" Gottes werden lassen, dessen Gläubige in großer Mehrheit von den friedlichen Absichten ihrer Religion überzeugt sind. Muslime in aller Welt haben das Attentat in aller Entschiedenheit verurteilt und sehen ihre islamischen Werte in den Schmutz gezogen.

 

Doch genauso viel Unwissen wie im Lager der Islamgegner, die sich trotz anderslautender Zahlen von Menschen mit muslimischem Glauben überrannt fühlen, herrscht unter jungen radikalisierten Muslimen. Da steht nicht der Glaubenskern der eigenen Religion, sondern die Abgrenzung zu Andersgläubigen im Mittelpunkt. Immer sind es die anderen, die einem etwas wegnehmen wollen oder daran hindern, so zu leben, wie man gerne möchte. Die Möglichkeit, voneinander zu profitieren, und ein gelingendes Miteinander werden von vornherein ausgeschlossen.

 

Die Mehrheit auf der Straße hat gezeigt, dass sie nicht so denkt. Der Aufruf französischer muslimischer Organisationen an ihre Mitglieder, so zahlreich wie möglich an den Sonntagsmärschen teilzunehmen, demonstriert ebenfalls den Wunsch nach einer Gesellschaft in Vielfalt, die Religionsfreiheit und Menschenrechte gleichermaßen anerkennt. Um so wichtiger ist es, den Kern des Glaubens – der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft – zu vermitteln und in den Köpfen und Herzen der Gläubigen zu verankern.

 

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