
Vom Fenster und einem großen Feuer
Beerfelden/Michelstadt. „Die Idee, ein Musical über den großen Stadtbrand in Beerfelden zu schreiben, hatte ich schon seit einigen Jahren", sagt Iris Lohnes. Immer wieder mal dachte sie darüber nach, überlegte, wie sich diese Geschichte musikalisch am besten erzählen ließe. Diesen April nun jährte sich die Brandkatastrophe zum zweihundertsten Mal. Das bot der Kantorin, die in Michelstadt lebt und seit 13 Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden tätig ist, einen konkreten Anlass, dieses Stück Lokalgeschichte in Texten und Tönen niederzuschreiben. Im Mittelpunkt der auf 20 einzelne Stücke verteilten Handlung des Musicals „Der Brand von Beerfelden" steht indes zunächst nicht das Feuer, sondern das Kreuzigungsfenster in der großen Beerfelder Martinskirche. Der kunstbegeisterte Graf Franz zu Erbach ließ es 1804 gegen erheblichen Widerstand der Bevölkerung ausbauen und ins Erbacher Schloss holen. In der Folge kam es gar zu einem Aufstand, der dazu führte, dass Militär in Beerfelden aufmarschierte. Ein lang andauernder Gerichtsstreit endete für die Bürgerschaft mit Kosten von 17.000 Gulden. Doch das viel größere Unglück brach dann erst am 29. April 1810 ein beziehungsweise aus: ein verheerendes Feuer, dem in kürzester Zeit die ganze Stadt mit ihren strohgedeckten Fachwerkhäusern zum Opfer fiel; auch die Martinskirche wurde zerstört. Zehn Menschen verloren ihr Leben. Bei den Aufführungen des neuen Opus‘ im September stehen unter Leitung der Komponistin 120 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne – aus dem Kinder-, dem Jugend- und dem Kirchenchor. Schon seit geraumer Zeit sind alle fleißig am Proben und Einstudieren. Für die Orchestermusik wird – wie auch schon bei anderen Musicalprojekten in Beerfelden – die Kurpfalzphilharmonie (Heidelberg) unter Leitung von Arne Müller sorgen. Bernhard Bergmann
