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Nicht allein nur Menschen am Werk

14.11.2014 - 0 Kommentare

 

Philippsthal/Vacha. Es dürfte nicht allein Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht so gegangen sein. In ihrer Abschlussrede stellte die „gelernte" Pfarrerin mit Blick auf den blauen Himmel und die große Zahl der Besucher beim hessisch-thüringischen Bürgerfest fest: „Der Herrgott meint es heute gut mit uns!"

 

 

 

Tausende machten es ihr und ihrem hessischen Kollegen, dem amtierenden Bundesratspräsidenten Volker Bouffier, nach und gingen am 25. Jahrestag des Mauerfalls über die mit Blumen und schwarz-rot-goldenen Schleifen geschmückte „Brücke der Einheit" von Philippsthal nach Vacha und umgekehrt. Am Sonntagmorgen versammelten sich in der überfüllten evangelischen Johanneskirche zu Vacha die Bischöfe Heinz Josef Algermissen aus Fulda und Prof. Dr. Martin Hein aus Kassel, Weihbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt, Regionalbischof Diethard Kamm aus Gera, Regionalbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt aus Meiningen und Pfarrer Michael Brendler aus Vacha zu einem ökumenischen Festgottesdienst, der unter dem Leitwort „Du führst mich hinaus ins Weite" (Psalm 18,20) stand.

 

Bischof Algermissen sprach davon, dass beim Mauerfall nicht allein Menschen am Werk gewesen seien, und unterstrich: „Gott hat in unsere Zeitgeschichte eingegriffen und Menschen ,in die Freiheit hinausgeführt‘" (Psalm 66,12). Er rief dazu auf, die Erinnerung an die mutigen Bürgerrechtler, Demonstranten, Männer der Kirche und der Politik wachzuhalten und die falsche Verklärung des Unrechtsregimes in der DDR zu entlarven: „Wir müssen Gesicht zeigen!"

 

Regionalbischof Diethard Kamm ließ die Ereignisse rund um den 9. November 1989 Revue passieren. Da sich „nicht alle Träume erfüllt" hätten, gelte es nach wie vor, „der Stadt Bestes zu suchen", zu diskutieren und sich einzumischen. „Das Wort Gottes ist nun einmal nicht unpolitisch, wenn es um das Heil und das Wohl der Menschen geht!", betonte der Geistliche in seiner Predigt. Kamm sprach sich dafür aus, Flüchtlinge „wie Deinesgleichen" zu behandeln. Aus christlicher Sicht sei es auch nicht akzeptabel, wenn immer wieder gefordert werde, dass sich alles rechnen müsse.

 

 

Im Anschluss an den Gottesdienst, in dem auch das 1989 entstandene Lied „Vertraut den neuen Wegen" gesungen wurde, gedachten die Vertreter des öffentlichen Lebens der Opfer des Grenzregimes. Die Grundschülerin Selina Ernst berichtete in faszinierender Weise davon, was sie von der Wende gehört hat, ehe nach weiteren Reden und Dankadressen im Festzelt gefeiert wurde. Wilfried Apel

 

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