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Wer nur den lieben Gott lässt walten

09.07.2010 - 0 Kommentare

Kassel. Die festliche Gemeinde in Kassels Christuskirche erhob sich. Die Bläser intonierten mächtig. Und herein zogen im feierlichen Zug Prälatin Roswitha Alterhoff und Pröpstin Marita Natt samt bischöflichem Gefolge. Die Gemeinde sang dazu mit Wonne das Lied von der „Güldenen Sonne“. Es schien, als wollte der Organist einen Liedrekord aufstellen. Denn bei dem musikalischen Gesangstempo brauchte die güldene Sonne garantiert nur die Hälfte ihrer Zeit um die Christuskirche  zu umrunden.
Ganz verhalten dagegen die scheidende Prälatin Alterhoff. Mit leiser Stimme betet sie die Worte des Psalms: „Weise mir, Herr, deinen Weg ...“ Ihr letzter offizieller Gottesdienst wird ihr schon schwer, wenn man fast vierzig Jahre als Pfarrerin seinen Dienst geliebt hat. Da ist Wehmut. Und es nützt auch wenig, wenn Bischof Hein in seinen Abschiedsworten predigt, dass man immer Pfarrer und Pfarrerin bleibe, eben nur aus dem besonderen Amt in den Ruhestand wechsele. Da hilft es schon eher zu hören, dass man zwar nicht unersetzlich sei, aber doch einzigartig.
Drei Dinge hätten ihn, den Bischof, an seiner Stellvertreterin, der Prälatin, besonders beeindruckt, so Bischof Hein. „Das erste ist ihre große Liebe zur Theologie, das Zweite Ihre ungebrochene Liebe zur Gemeinde.“ Es habe Prälatin Alterhoff mit Schmerz erfüllt, Pfarrstellen streichen zu müssen. Natürlich hätte sie lieber welche neu errichtet, anstatt mit Gemeinden über Einsparungen streiten und ringen zu müssen. „Dabei lag Ihnen immer nur das Allerbeste für die Gemeinde am Herzen!“
Und schließlich als dritte Wertschätzung: Sie waren eine gute Zuhörerin. Geduldig habe die Prälatin so viele dienstliche Gespräche geführt, habe geraten, ermahnt und geholfen.
Auch zwischen uns, so der Bischof, brauchte es meist nicht viele Worte, man verstand sich mit einem Blick, um eine gemeinsame Linie zu finden. Für die fast acht Jahre einer vertrauensvollen Zusammenarbeit dankte Bischof Hein lächelnd und bewegt für die ganze Landeskirche. Der kleine aber feine Chor der Kirchenmusiker der Landeskirche sang hell und klar dazu von Heinrich Schütz „Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erden. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmacht, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ Herrlich, wie sich die Worte des 73. Psalms von Lebens-Moll zur Lebens-Dur auflösen. Eben, einem Abschied wohnt ein Anfangszauber inne, auch bei Schütz.
Nach dem Abschied dann der Neubeginn. Mit Marita Natt kommt eine neue Generation in das Prälatenamt, stellte Bischof Hein fest. Eine Frau im Leitungsamt sei für sie längst nichts Ungewöhnliches mehr, wie es ihre Vorgängerin noch erfahren habe. Die reiche Erfahrung im Pfarramt, hohes Einfühlungsvermögen und ein Verständnis für die unterschiedlichsten Anforderung werde ihr helfen mit den Aufgaben im neuen Amt als Prälatin und Stellvertreterin des Bischofs gerecht zu werden.
Da sang der Chor zur Einführung: „Wer nur den lieben Gott lässt walten.“ Es läuteten die Mittagsglocken, als Marita Natt ihre erste Predigt als Prälatin hielt. Eine Liedpredigt sollte es sein. Mancher meinte da die „bischöflich Zippertsche“ Tradition zu spüren. „Wer nur den lieben Gott lässt walten, der kann auch in schwierigen Zeiten den Ball weitergeben und übernehmen“, so Prälatin Natt. Und berichtete von dem gerade erlebten Besuch eines pakistanischen Bischofs.
Er berichtete von erschütternden Bildern von Gewalt, die dort Christen, gegen Frauen, Mädchen und vermeintlich abtrünnige Moslems von den Taliban ausgeübt wird. „Ich will euch aber nicht traurig machen“, so der Bischof, „ihr sollt nur wissen, was bei uns geschieht. Wir bitten euch nur, für uns zu beten.“ So zuversichtlich, hoffnungsvoll  trotz aller Sorgen und Nöte, trotz der Schwierigkeiten, die im Amt und in der Landeskirche auf sie zukommen, will sie ihr Amt verstehen. Gott waltet in allem, was geschieht, auch in der Bundespräsidentenwahl, die gerade stattfinde.
„Sing, bet und geh auf Gottes Wegen“, das seien die Grundnahrungsmittel für ein gelingendes Leben. „In dieser Zuversicht freue ich mich auf mein neues Amt“, strahlte zuversichtlich Marita Natt. „Ich will das Meine treu verrichten und dabei auf Gottes reichen Segen vertrauen.“ Und da strahlte die ganze Gemeinde.
Reinhard Heubner

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