Seien Sie behütet auf Ihren Urlaubswegen
Was für ein Mittwoch. Vormittags nimmt Prälatin Roswitha Alterhoff Abschied von ihrem Amt, und ihre Nachfolgerin Pröpstin Marita Natt wird feierlich eingeführt. Es folgen Glückwünsche, freundliche und herzliche Abschieds- und Grußworte. In Berlin werden zur gleichen Zeit die Gesichter der Regierungsfraktionen bei der Wahl des Bundespräsidenten immer länger. Auch im zweiten Wahlgang ist Wulff durchgefallen. Die Sonne lässt es sich trotzdem nicht nehmen, sie scheint und strahlt heiter vom Himmel.
Die meisten Gäste in Kassel sind längst auf dem Heimweg. Mancher allerdings hat sich von Kassel aufgemacht zur nächsten Feier nach Berlin, zum Hessenfest in der hessischen Landesvertretung. Für Roland Koch ist es sein Abschiedsfest. Die Gäste sind da, nur der Hausherr fehlt. Der sitzt noch im Reichstag und muss zum dritten Mal wählen.
Viele Schulkinder hatten heute Wandertag oder hitzefrei. Auch die Zeugnisse lassen grüßen. Die meisten Lehrer sind gestresst und sehnen die Ferien herbei. Und während Sie meine Gedanken lesen, genießen Schüler, Lehrer und Politiker die Sommerferien. Ich auch.
Wir müssen neue Kraft tanken, weil man leer geworden ist: du liest, fliegst weg, wanderst, tauchst ein in fremde Lebensläufe, du baust mit deinen Kindern eine Strandburg und nimmst mal an einem Gottesdienst in der Landessprache teil. Du liebst dich und den andern wieder ein bisschen mehr. Gute Erholung wünsche ich Ihnen! Und wenn wir voneinandergehen, dann sagen wir mehr als „Gruß und Tschüs“.
Wir wollen Kraft mitgeben und mitnehmen: Geld für alle Fälle und ein Pfand der Liebe sowie ein Glückswort und Adressen für die Not. Und wollen Segen mitgeben.
Der soll nach Indien begleiten, wo die Pfarrfamilie Wahl derzeit vielfältige Eindrücke und Erfahrungen sammelt, oder er geht nach Südafrika zum Partnerbischof und der deutschen Mannschaft sowie den vielen Fans.
Segen soll Sie begleiten nach Österreich, Usedom, Mallorca, in den Bayerischen Wald, Kanada oder Bad Balkonien.
Es ist meine Bitte: Gott möge bei uns sein auf unseren Wegen und seine ausgebreiteten Arme schützend um uns legen. „Wer kommt in meine Arme?“, ruft der Vater, die Mutter dem Kind zu. Und es läuft los, als wären wilde Tiere hinter ihm her und stürzt sich in die ausgebreiteten Arme: errettet fliegt es, gehalten, getragen im Kreis, bis es wieder losrennt unter behütenden Augen. Gottes ausgebreitete Arme halten dich, wo immer du bist! Du bist nicht verlassen, gute Kräfte stehen dir bei.
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott.
In diesem Sinne: „Seien Sie behütet auf Ihren Urlaubswegen. Den haben Sie eh verdient!“
Reinhard Heubner


