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Auf die Frauen ist Verlass

02.07.2010 - 0 Kommentare

Niederjossa. An die 75 Frauen aus ganz Niederaula dürften es gewesen sein, die das 75-jährige Bestehen der Frauenhilfe des kleinen Dorfes an der Jossa feierten: mit einer Andacht in der Kirche und mit Kaffee und Kuchen im schön geschmückten Dorfgemeinschaftshaus – wie es sich gehört.
Immer wieder ließen die Niederjossaerinnen die vergangenen 75 Jahre Revue passieren – 75 Jahre, in denen sie „die guten Seelen“ und das Rückgrat der Kirchengemeinde waren – ja, man kann schon sagen, diejenigen, auf die sich jeder Pfarrer verlassen konnte. Das wurde ihnen mehr als einmal bestätigt.
Zum Beispiel vom amtierenden Pfarrer Bernd Seifert: „Entscheidend ist, dass es sie gibt, dass sie das Evangelium, das Gute, bis heute in Wort und Tat weitergeben!“ Einer seiner Vorgänger, Pfarrer Günter Schramm, dem 1984 der Ruf vorauseilte, von allen gerade ordinierten Pfarrern derjenige mit den längsten Haaren gewesen zu sein, stellte heraus, dass der Frauenkreis immer auch experimentierfreudig gewesen sei und sich auch an den damals neuen Weltgebetstag herangewagt habe.
Das mag daran gelegen haben, dass Schramms Vorgängerin, Pfarrerin Gertrud Matthias, die zu den ersten Pfarrerinnen der Landeskirche gehörte, für „frischen Wind“ gesorgt hatte. „Da musste man seine Meinung sagen!“, berichten Erika Diebel und Elisabeth Fischer in ihrem kleinen, in „Jesser“ Mundart vorgetragenen Rückblick. Der begann im Gründungsjahr 1935, als Schwester Paula Sievers eine derjenigen war, die die Frauenhilfe aus der Taufe hoben. Natürlich wurde damals viel mehr gestrickt und gebastelt als heute.
Über Jahre hinweg traf sich der Niederjossaer Frauenkreis ganz privat, zuletzt bei Anna Stock, ehe er sich im evangelischen Gemeindehaus etablierte. Hier kommen die etwa 20 Mitglieder des Frauenkreises noch heute im Winterhalbjahr zusammen. Alljährlicher Abschluss ist die traditionelle Frühjahrswanderung nach Oberjossa, wo sich die in Ehren ergrauten alten Damen an frisch gebackenen Waffeln mit Kirschen laben.
Manchmal hat Erna Hinz auch ihren „Zerrwanst“ dabei. Wenn sie das „Hessenlied“ spielt, singen alle mit. „Sie ist aus unserem Kreis nicht wegzudenken“, betont die 89-jährige Elisabeth Allendorf, der die Frauenhilfe nach dem frühen Tod ihres Mannes ein starker Halt war – und bis heute geblieben ist. „Das Miteinander ist immer wieder schön, wenn man den Alltag hinter sich lassen und miteinander reden und beten kann.“ Ihre Mutter gehörte zu den Gründerinnen des Frauenhilfskreises. Sie wurde 100 Jahre alt. So alt, wie auch der Frauenkreis noch werden will.
Wilfried Apel

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