
Zum Abschied gab's ein Kruzifix
Bad Hersfeld. „Einer trage des anderen Last“ – diese Worte aus dem Galaterbrief stellte Marita Natt, die von der Stadtkirchengemeinde Bad Hersfeld aus ihrem Amt als Stadtkirchenpfarrerin und Pröpstin verabschiedet wurde, in den Mittelpunkt ihrer Predigt. Christen, betonte sie, benötigten starke Schultern und Knochen, um den wesentlichen Aspekt der Liebe, nämlich das Schultern der Lasten des Nächs-ten, auszuüben und manchmal auch auszuhalten.
Diese Erkenntnis verband Natt mit einem dankbaren Rückblick auf die vergangenen sieben Jahre als Pröpstin und Stadtkirchenpfarrerin in Bad Hersfeld. Es habe in der Gemeinde viele Menschen gegeben, die ihr auf vielfältigste Weise Lasten abgenommen hätten. Als bekennende Gemeindepfarrerin sei ihr die Arbeit in der Stadtkirchengemeinde eine besondere Freude gewesen.
Mit dem Blick auf ihr neues Amt als Prälatin der Landeskirche betonte Marita Natt, dass alle Ämter im Sinne des Paulus-Wortes ausgeübt werden müssten. So werde sie auch zukünftig leiten.
Natts zupackendes Engagement und ihre Fröhlichkeit wurden auch vom stellvertretenden Dekan, Volker Drewes, von Vertretern des Kirchenvorstandes, der Stadt Bad Hersfeld und des Landkreises sowie von ihren Pfarrerkolleginnen und
-kollegen an der Stadtkirchengemeinde gewürdigt. Neben den vielen Aufgaben, die mit ihrem Amt verbunden waren, sei sie durch ihr soziales Engagement eine besondere Verbindung mit Stadt und Landkreis Bad Hersfeld eingegangen.
Besonders hervorgehoben wurde an dieser Stelle ihr Einsatz für den Ehrenamtspreis für Frauen, den der Landkreis jährlich unter der Überschrift „Merci, dass es Sie hier gibt!“ verleiht. Für die-
se Auszeichnung hatte Marita Natt wie auch ihre Vorgängerin Prälatin Roswitha Alterhoff die Schirmherrschaft inne.
Als besonderes Zeichen der Würdigung ihrer Arbeit überreichte Bürgermeister Hartmut H. Boehmer Marita Natt einen Bronzeabguss des „Ulenrodaer Kruzifixes“, dessen Original aus dem 11. Jahrhundert stammt und nahe Ludwigsau gefunden wurde. Diese Auszeichnung wird von Seiten der Stadt nur an besonders ausgewählte Personen verliehen.
Der Dank der Gemeinde galt weiter ihrem Mann, Reinhard Natt, Oberpfarrer beim Bundesgrenzschutz, der die Liturgie mitgestaltete und der den Besuchern der Stadtkirche als Schauspieler in der Rolle des Abtes Lullus im Gedächtnis geblieben ist.
Es waren viele Menschen aus der Stadt und dem Umland, die an diesem Tag in die Stadtkirche gekommen waren, um sich von „ihrer“ Pröpstin zu verabschieden. Ein besonderes Geschenk machten ihr die Kinder und Jugendlichen aus Weißrussland, die derzeit in der Bildungsstätte auf dem Frauenberg einen Erholungsaufenthalt genießen.
Die Kinder, die aus der durch das Reaktorunglück von Tschernobyl verstrahlten Region Moghilew stammen, bereicherten den Gottesdienst durch zwei Volkslieder aus ihrer Heimat.
Für Marita Natt, die die Arbeit des Vereins für internationale Jugendarbeit während ihrer Amtszeit in Bad Hersfeld kontinuierlich und aktiv unterstützt hatte, war es ein wichtiges Anliegen, diesen Gottesdienst zusammen mit den Kindern aus Weißrussland feiern zu dürfen.
Ute Janßen


