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Die Lage der Partnerkirche in Kirgisiern

24.06.2010 - 0 Kommentare

Bestürzt ist die Landeskirche von Kurhessen-Waldeck über die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Kirgisien. Kurhessen-Waldeck ist seit 1997 Partnerkirche der lutherischen Kirche von Kirgisien. Bischof Alfred Eichholz aus Bischkek hofft im Telefongespräch, dass sich die Lage langsam entspannt. Tote oder Verletzte habe es in den Gemeinden zwar noch nicht gegeben. Wenn aber das Land nicht zur Ruhe komme, so Eichholz, werde ein Großteil der Lutheraner das Land verlassen. 
Die lutherischen Prediger aus der umkämpften Stadt Osch berichten von alkoholisierten Randalierern. Es werde grundlos auf alles, was sich bewegt, geschossen. Das habe Einfluss auf die Versorgung, da man nicht mal einkaufen könne. Auch seien die Lebensmittel erheblich teurer geworden. Um den Engpass zu überstehen, habe man sich in den Gemeinden mit Lebensmitteln ausgeholfen. Ein Lebensmittel-LKW nach Bischkek sei allerdings von den Soldaten konfisziert worden mit der Begründung, die Regierung sei für die Versorgung verantwortlich.
Die Konfliktursachen zwischen Usbeken und Kirgisen gehen laut Eichholz schon auf eine Auseinandersetzung in 1991 zurück. 1991 erklärten die Kirgisen ihre Unabhängigkeit und schlossen sich der GUS an. Auch der gestürzte Präsident Bakijew habe den Konflikt gezielt geschürt, um von seinen Rauschgiftgeschäften abzulenken.
Da Usbeken, so Eichholz, mitgeholfen hätten, den Präsidenten zu stürzen, rief das den Zorn der präsidententreuen Kirgisen hervor und damit den Konflikt. Jetzt hätte man aber eine Übergangsregierung mit Frau Otumbajewa, die demokratische Strukturen anstrebe. Das mache Hoffnung.
Eine weitere Ursache sieht Bischof Eichholz in der Fundamentalisierung des Islam. Hier hofft man auf den stützenden und Demokratie fördernden Einfluss Russlands. Bischof Hein von Kurhessen-Waldeck und Bischof Eichholz aus Kirgisien bitten, in Gottesdiensten und Gebeten der gefährdeten kirgisischen Gemeinden zu gedenken. Evangelische Christen leben in Kirgisien bereits seit 100 Jahren. Ihre Zahl wurde erheblich größer, als Stalin in den 1950er Jahren deutschstämmige russische Bürger in diesen Teil des Sowjetreiches umsiedelte.
Hier lebten bis zur politischen Wende 1990 mehr als 50.000 von ihnen. Viele, deren Familien seit Generationen den pietistischen Brüdergemeinden nahestanden, lebten ihren Glauben während der Sowjetzeit im Untergrund. Sie konnten sich nach der Wende vor 20 Jahren wieder öffentlich zu ihrer Religion bekennen. Allerdings hat sich ihre Zahl auf unter 10.000 im Land verringert, da viele die Auswanderung nach Deutschland oder Russland in den zurückliegenden Jahren vorgezogen haben.
Die bestehende Kirchenpartnerschaft hilft der Partnerkirche, wirtschaftlich zu überleben. Zahlreiche Projekte in den 15 kleinen Gemeinden – vor allem in dem sehr lebendigen Sektor großer jährlicher Jugendfreizeiten – verhelfen weiterhin zu einem Gemeindeleben, das neben den Gottesdiensten in den Bethäusern auch durch diakonische Dienste im Altenheimbereich sowie seelsorgerliche Sonderdienste gekennzeichnet ist.

Reinhard Heubner

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