Das gelobte Land der Pensionierung
Ein befreundeter Kollege geht in Pension. In 1975 hatten wir unsere erste Pfarrstelle. Jetzt endet sein aktiver Berufsweg. Auch meine Chefin, Prälatin Roswitha Alterhoff, geht in den Ruhestand, und Reiner Degenhardt, der uns manch gelungenen Landeskirchentag bescherte. Gratulation zur Pensionierung, sie ist verdient. Man ist doch mehr als nur Beruf. Auch wenn man sich in harter Arbeit in mehr als vierzig Jahren darüber identifiziert hat. Dann hat man wahrlich ein Recht auf das gelobte Land der Pensionierung.
Dann sollst du dein Auskommen haben, ohne dafür anderen entgeltlich nützen zu müssen. Du hast meist mehr gegeben, als du bekamst in all den Jahren. Nun gut, sagt man, und na und, es war gut so. Also sei guten Mutes. Vor dir liegt Freudenland. Wir sind nicht Kreisel, die umfallen, wenn der Antrieb versagt. Wir brauchen auch nicht den Druck, in der Pflicht zu sein.
In unserem Alter wissen wir, was wir können oder konnten, und müssen niemandem mehr was beweisen. Sollen die andern erst mal diese Lebenszeit hergeben für andere.
Keine Klagen: Auch die Zeit im Dienst war kostbar, du hast auch viel gelacht, vor allem, du hast anderen was bedeutet. Sie brauchten dich, das war das Beste an der Arbeit.
Aber wenn man geht, wird ein anderer Mensch die Stelle einnehmen, er soll es auch gut machen, ruhig anders, aber auch recht – alles hat seine Zeit, und das ist gut so. Jetzt blick nach vorn. Du bist noch mehr, als du schon von dir weißt. Du wirst noch mehr du selbst, noch einmal anders. Sicher, das Ausschlafen ist nicht so genussvoll, wenn man es immer hat.
Natürlich braucht die Ruhe zur Abwechslung auch Unruhe, sonst ist die Starre nah. Und der Fluss der Zeit benötigt auch Termine, Stationen, Verabredungen, sonst wird es ein Brei. Aber du wirst auch ohne Verpflichtung mit Menschen reden, auch ohne Zwang anderen nützen, auch ohne Dienstkalender zielstrebig sein. Freude am Gelingen, das sei dein künftig Zauberwort.
Ob du im Garten Blumen pflanzt oder eine Familienchronik schreibst, PC oder Klavierspielen lernst oder Kochen und einen Genießer-Freundeskreis aufziehst oder einen Stammtisch in deiner Kirchengemeinde ins Leben rufst, mit dem Wohnwagen nach Masuren reist oder weiter – du wirst es sehen.
Lass dich treiben in Richtung deiner Wünsche, und tu, was du möchtest. Sorge dich überhaupt nicht, wenn du zunächst nur einfach glücklich du selbst sein willst. Wenn du das Nichtstun satt hast, kommt schon auf dich zu, was dich für sich einnimmt, verlass dich drauf. Überhaupt: Lerne Sorgloswerden.
Gut auch, kleiner zu ziehen oder altersgerecht umzubauen, solange man noch frisch ist.
Natürlich kommen auch die Tage, von denen die Bibel voraussagt: „Sie gefallen dir nicht.“ Aber bis dahin bleiben dir Jahre, Jahrzehnte Erntedankzeit.
Also alles Gute und Gottes Segen!
Reinhard Heubner
Kommentare
Lieber Bruder Heubner! Irgendwann wird es ja auch sie treffen - und eines kann ich schon jetzt Ihnen versicher. Wir werden Ihre frischen und freundlichen und frommen geistlichen Worte vermissen - meine Frau liest sie mir immer vor! Bis dahin grüßt Sie aus der Ferne herzlich Ihr Harald Wahl, Mangalore


