
Streit um das Kopftuch
Kassel. „Was hat der Islam gegen die Frauenfrisur?“, fragte Emel Zeynelabidin frech. Die Muslimin hat selber 30 Jahre das Kopftuch getragen aber es vor einigen Jahren abgelegt. Eine bewusste Entscheidung, wie sie bei der Islamkonsultation im Haus der Kirche erläutert.
„Ich halte das Kopftuch für überflüssig“, sagte sie. Ursprünglicher Sinn war es, Frauen vor der Belästigung von Männern zu schützen, ergänzte sie. „Ich bin nicht belästigt worden“, schilderte sie ihre Erfahrungen seit dem Ablegen. Allerdings hatte sie in ihrem Umfeld von Familie und Engagement im islamischen Frauenverein zu kämpfen. Viele nahmen ihr das Ablegen des Kopftuchs übel.
Eine gegensätzliche Position im Streitgespräch nahm Emina Corbo-Mesio ein. Sie trägt seit ihrem 18. Lebensjahr das Kopftuch. „Mit Kopftuch fühlte ich mich freier“, schilderte sie und forderte auf, nicht über die kopftuchtragenden Frauen zu sprechen sondern mit ihnen: „Wir Frauen werden oft gar nicht gefragt.“ Das Kopftuch als ein Symbol der Unterdrückung anzusehen „ist eine Beleidigung für die Frauen“. In der Diskussion um das Kopftuch geht es nach ihrer Meinung eigentlich um die Angst vor islamischen Terrorismus oder Fragen der Integration. Dass heute gebildete Frauen wieder Kopftuch tragen, liege an einer „Rückfindung zum Islam“.
Was der Koran zum Kopftuch sagt, schilderte Islamwissenschaftler Serdar Günes im Eröffnungsvortrag. „Die Textbasis enthält keine explizite Anweisung für das Tragen eines Kopftuchs“, sagte Günes. Abgeleitet wird es u.a. aus der Sure 24 Vers 31 in dem es um das Bedecken des Dekoltees geht. Allerdings wird das Bedecken des Körpers bis auf Hände und Gesicht im Hadith, den Überlieferungen über Mohammeds, gefordert. „Die Mehrzahl der islamischen Gelehrten hält eine Kopfverschleierung für erforderlich“, sagte Günes.
Emel Zeynelabidin wehrte sich gegen diese Auslegung der Gelehrten. Männer seien heute zivilisiert genug, deshalb brauche es eine Verhüllung nicht mehr, begründete sie ihre Entscheidung zum Nichttragen des Kopftuchs. Sie stört sich auch daran, dass das Kopftuch heute aus modischen oder politischen Gründen getragen wird und nicht allein als Ausdruck des Glaubens. „Das Kopftuch wird heute zweckentfremdet“, sagte sie. Natürlich hätte man gerne die christliche Meinung dazu gehört aber der Vortrag: „Christen und das Kopftuch“ musste leider ausfallen.
Karsten Leonhäuser


