Sprachverwirrung
In unserem Kirchenpresseaustausch fand ich nachdenkenswerte Sätze über den Umgang mit der deutschen Sprache. Christoph Kuhn von der thüringischen Kirchenzeitung schreibt: Last week kam eine Mail mit der question, ob ich einen Workshop, creative writing leiten könne während der „ChurchNight“.
Sollte der Kurs womöglich in Englisch stattfinden? Wäre das in einer deutschen Kirchengemeinde (schon) angebracht?
Wieder einmal verblüffte mich die rasante Verbreitung englischer Vokabeln. Verständlich, dass in globaler Kommunikation neue Techniken und ihre Anwendung zugleich mit den Begriffen dafür in der Weltsprache kreiert werden: Online, Skype, Chat, Instant Messaging, Server, Browser, User und andere Weltwörter werden auch eingedeutscht gebeugt („scannen“, „gedownloadet“), und für viele gibt es gar keinen treffenden heimischen Ausdruck.
Oder sollte Internet mit „Weltnetz“ verdeutscht werden, Laptop mit „Klapprechner“ und Airbag mit „Prellsack“? Wie im 17. Jahrhundert, als man Elektrizität „Blitzfeuererregung“, Kloster „Jungfernzwinger“ und Revolver „Meuchelpuffer“ nannten.
„Sinnreich bist du, die Sprache von fremden Wörtern zu säubern; / Nun so sage doch, Freund, wie man Pedant uns verdeutscht“, fragten Goethe und Schiller in den Xenien.
Partout auf Fremdwörter (gleich welcher Herkunft) zu verzichten ist ebenso töricht, wie ständig damit umherzuwerfen. Sprachen geben und nehmen, Fremd- und Lehnwörter verschiedener Zungen wandern ein und aus, beleben die Muttersprache, setzen sich durch, geraten wieder in Vergessenheit. „Trottoir“ ist ungebräuchlich geworden wie „Bouillon“, „Negligé“ oder „Chaiselongue“.
Im Gegenzug ist deutscher Wortschatz in Frankreich ansässig: „le blitzkrieg“ oder „la realpolitik“; in England: „kindergarten“ oder „menschenrechte“; in Norwegen: „badeanstalt“, in Russland und Japan: „schlagbaum“ und „rucksack“.
Unverständlich ist, wenn in touristisch kaum frequentierten deutschen Orten „Backshops“ (die Bezeichnung ist weder englisch noch deutsch sinnig) das Schild „open“ in die Tür hängen, wenn Titel von Zeitschriften und Filmen nicht mehr ins Deutsche übertragen werden.
Müssen Kids mit coffee to go beim City-Treff chillen? Muss es ServicePoints, PowerPoint-Präsentation und Public Viewing geben? Will man sich mit der Denglisch-Manie besonders weltläufig im Global Village gebärden oder einfach aufschneiderisch, besonders originell sein? Prüfe jede und jeder in Redaktionen, Schulen und Unis, beim Sport, in der Werbung und Wirtschaft, am Familientisch ob eingereiste Wörter die Sprache bereichern oder gutes Deutsch verdrängen. Es liegt in der Macht der Deutschen, ob sie ihre Sprache Wort für Wort verkaufen.
Zur Kirchennacht verteilt man Faltblätter und Zettel statt Flyer und Handouts, und es gibt Gespräche statt Smalltalk und Brainstorming heißt Gedankenaustausch. Und der Kirchentag wird auch nicht zum ChurchDay sondern es bleibt bei dem Namen. Schließlich heißt er sogar in England so, nämlich „kirchentag“!
Reinhard Heubner


