
Engagement in Südafrika
Die ganze Welt schaut nach Johannesburg, wenn am 11. Juni 2010 um 15 Uhr das erste Spiel der 19. Fußball-Weltmeisterschaft beginnt. Sie wird das nächste wichtige Ereignis in der demokratischen Entwicklung Südafrikas sein und einen Beitrag zur humanen und gesellschaftlichen Entwicklung leisten. Abseits der großen, neuen, prächtigen Stadien, abseits der noch prächtigeren Hotels, in denen die Spieler und Betreuer residieren, sieht die Umgebung elend aus.
Staub hüllt die zerfallenden Wellblechhütten ein, in denen schwarze Familien hausen. Müll fliegt ungesammelt, ungetrennt durch die Luft. Das ist Südafrika abseits der Fußballweltmeisterschaft. Hier hat fast jeder Aids. Hier herrscht dramatische Arbeitslosigkeit. Hier hat VW Autofabriken. Und hier hilft und engagiert sich sozial der Weltkonzern. Als vor 60 Jahren der erste Käfer am Ostkap bei Port Elizabeth vom Band lief, trennte die Apartheid die weißen Arbeiter von der herrschenden weißen Klasse. Betriebsrat, Gewerkschaft und Betriebsleitung kämpften Jahre gemeinsam für Gerechtigkeit und gleiche Rechte für die schwarzen Arbeiter. Und man hatte Erfolg.
Volkswagen braucht sich seines Standortes als einer der wenigen internatio-
nal Firmen in Südafrika nicht zu schämen. VW hatte aus der Erfahrung des Nazi-Regimes mit der Beschäftigung von Zwangsarbeitern gelernt und steht seitdem auf der Seite der Arbeiter. Der wirtschaftliche Erfolg kam dazu. Schwarze Arbeiter erhielten also bei Volkswagen of South Africa schon eine Berufsausbildung, als das im Apartheidsstaat noch verboten war. Gewerkschaftliche Organisation und Interessenvertretung wurden, gegen den Staat, in Entscheidungsprozesse integriert. Sucht Volkswagen heute neue Zulieferer oder Händler, werden Firmen bevorzugt, die von Angehörigen ehemals diskriminierter Gruppen geführt werden. Ebenso wichtig ist Volkswagen die soziale Unterstützung der Menschen, vor allem der Kinder und Jugendlichen. „A chance to Play – eine Chance zum Spielen“ heißt ein Projekt, bei dem VW zusammen mit Terre des Hommes Jungen und Mädchen aus sozial benachteiligten Familien fördert. Bereits seit zehn Jahren spenden auf Initiative des Konzernbetriebsrats Beschäftigte des Volkswagen Konzerns zugunsten benachteiligter Kinder für die Aktion „Eine Stunde für die Zukunft“.
Zum zehnjährigen Jubiläum des Hilfsprojekts wurde unter dem Motto „A chance to play“ ein dreijähriges Sonderprogramm an Standorten in Südafrika anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft ins Leben gerufen. Denn: Von einer unbeschwerten Kindheit können viele Heranwachsende in Südafrika nur träumen. Ihr Lebensumfeld ist bedrückend: Arbeitslosigkeit der Eltern, Aids-Tod von Angehörigen, schlechte Bildungschancen und damit fehlende Perspektiven für die berufliche Zukunft. Mädchen werden dazu häufig Opfer sexueller Gewalt. Möglichkeiten zu Spiel und Sport, verbunden mit Lern- und Ausbildungsangeboten, sind deshalb für die Entwicklung von Kindern besonders wichtig. Die Belegschaft von Volkswagen hat dafür immerhin 1,2 Millionen Euro gespendet.
Über vier Millionen Euro sind bereits in Projekte zu Bildung und Ausbildung, Beschäftigung, Gesundheit und Gleichberechtigung in der Region Uitenhage investiert worden – etwa in Zentren für Vergewaltigungsopfer, für den Kauf von Schulkleidung oder für Suppenküchen im Armenviertel Missionvale. Zusammen mit der Nelson Mandela Metro und der Provinzregierung hat Volkswagen zudem die Uitenhage Despatch Development Initiative (UDDI) gestartet, ein Projekt, das sich um Aus- und Weiterbildung kümmert, aber auch die Gründung von Kleinbetrieben fördert. Dazu kommt die Hilfe bei sportlichen Aktivitäten. Klar, dass VW auch bei der Weltmeisterschaft vor Ort ist – doch vor allem mit seinen Sozialprogrammen. Das Volkswagenwerk in Uitenhage bei Port Elizabeth, also in der Stadt, in der die deutsche Nationalmannschaft gegen Serbien spielen wird, gibt rund 5000 Beschäftigten und ihren Familien ein Einkommen. Port Elizabeth hat sich noch schöner gemacht. Fußwege wurden gepflastert und Grünflächen angelegt.
„Ja klar bin ich stolz“, sagt Beverly selbstbewusst über die Weltmeisterschaft. Ihr Mann Mpumelele arbeitet am Band im VW-Werk in Uitenhage und hat sogar ein Ticket für das Spiel Deutschland gegen Serbien bekommen. Es war billig, es gab noch genug Karten. Beide sind stolz darauf, dass die Fußball-Weltmeisterschaft in ihrem Land zu Gast ist, das erste Mal in Afrika überhaupt. „Wir sind eine junge Demokratie“, meint Beverly, „deshalb brauchen wir viel Bestätigung – und die WM sagt uns: Man kann euch vertrauen, sogar das größte Sportereignis der Welt kann man euch anvertrauen.“ Das ist echt motivierend. Mpumelele wird natürlich im Stadion die deutsche Nationalmannschaft bejubeln. Er ist schließlich VW´ler, ein bisschen Deutscher. Aber Weltmeister wird Südafrika, ist Beverly überzeugt.
Reinhard Heubner


