
2. Ökumenischer Kirchentag in München mit 180.000 gefeiert
München. Der Himmel war grau, aber das Lächeln im Gesicht der Abreisenden ist strahlend. Sie kamen aus dem katholischen Rheinland und von der evangelischen Alb, aus Trier und Stuttgart. Von überall her. Sie kamen zum 2. Ökumenischen Kirchentag nach München. Sie hatten Erwartungen, wollten hören von ihren Oberhirten, was es ist mit der hochgelobten Ökumene.
Die Trennung der Konfessionen, die Nicht-Teilnahme am Abendmahl, das unterschiedliche Amtsverständnis wurde zwar in vielen Diskussionen und Gesprächen beklagt. Ändern wird sich trotzdem so schnell nichts. Auch wenn Bischof Zollitsch auf ein Wunder, dem Fall der Berliner Mauer gleich, hofft. Gebannt schaut man auf katholischer Seite nach Rom, und das war´s.
Manchmal schien es in München, als sei das der Christenbasis völlig egal. Man fühlt sich eins als große Christengemeinschaft, und wenn schon nicht das Abendmahl zusammen gefeiert werden kann, dann nennt man es halt griechisch „Artoklasia“ = Brotbrechen und feiert die Gemeinschaft mit Brot und Wasser.
Der Kirchentag war das Treffen von 180.000 Christen, denen es nicht egal war, ob sie katholisch oder evangelisch sind, aber die sich gemeinsam unter Gottes Wort versammelten und vor allem geistliche Kraft auftankten für das persönliche Leben und die Gemeindearbeit zu Hause.
Corinna Wetter (49) und Elisabeth Kalantar (58) sind in evangelischen Gemeinden in Stutt-gart aktiv. Sie meinen: „Es ist in letzter Zeit so viel Negatives in den Kirchen passiert. In München haben wir erlebt, dass es auch ganz viel Positives in der Kirche gibt und wie wichtig das für die Gesellschaft ist.“
Schwester Maria Thekla Heul (53) wünscht sich mehr erfahrbare Impulse. „Bei uns in der Gegend von Minden läuft schon so viel in der Ökumene. Wir teilen uns mit der evangelischen Gemeinde eine Doppelkirche. Und die Glocken, die zum Gottesdienst rufen, sind immer dieselben, egal ob evangelisch oder katholisch.“ Ihr ist es ein großes Anliegen, dass man wieder eine Einheit werde.
Zahlen
Der Kirchentag ist weiblich. 58 Prozent der Teilnehmer sind Frauen, 42 männlich. Auch ist der Kirchentag jünger geworden. Die älteren Teilnehmer über sechzig sind mit 17 Prozent gegenüber den Minderjährigen mit 21,4 vertreten.
Rund 60 Prozent sind evangelisch. Für den guten Ablauf sorgen 6000 Helfer und Helferinnen. Der Jüngste ist gerade 14 geworden, der Älteste ist über 80 Jahre alt. Sie wohnen in Münchner Schulen.
Umsonst gibt es selbst den Kirchentag nicht, er kostet rund 26 Millionen. Damit das weltweit ankommt, haben sich 1500 Journalisten aus 16 Ländern angemeldet. Musikalisch kommt bei den Hunderten von Konzerten jeder auf seine Kosten, ob die 40000 bei den Wise Guys oder ob man mehr die Matthäuspassion schätzte.
Die Bibelarbeiten besuchten täglich mehr als 23.500 Menschen. Die meisten Zuhörer hatten Bundeskanzlerin Merkel und Margot Käßmann.
Den Abend der Begegnung genossen mehr als 300.000 Menschen in der Altstadt rund um die Frauenkirche. Sogar die Zugspitze war als Berg aufgebaut worden und konnte bestiegen werden. „Lasst uns gemeinsam Berge versetzen“, meinten dazu ökumenisch die Kirchentagspräsidenten Alois Glück und Eckhard Nagel. „Die Menschen warten auf ökumenische Fortschritte“, so Münchens Oberbürgermeister Ude. „Die Kirche sei nicht eine Kirche des Missbrauchs“, so seine Mahnung, „sondern eine der Liebe.“
Und beim Abendsegen am Altstadtring leuchteten 200.000 Kerzen zum Posaunenklang.
Reinhard Heubner


