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Evangelisch in Familie und Beruf

07.05.2010 - 0 Kommentare

Falkenstein. „Gott und ich können ganz gut miteinander reden.“ Wenn Bernhard Rahmann auf die Frage antwortet, was denn nun evangelisch sei, dann spricht er zugleich als Unternehmer, der sein ganzes Berufsleben darauf geachtet hat, nach christlichen Maßstäben zu entscheiden. Der 67-jährige sitzt zusammen mit drei weiteren „profilierten Protestanten“ in der kleinen Falkensteiner Kirche oberhalb von Königstein und soll auf die Frage antworten „Was ist evangelisch?“.
Die Konfirmandin Marie findet, dass sie die anderen in ihrer Klasse um etwas wichtiges beneiden müsste, wenn sie nicht evangelisch erzogen wäre. Sie sei aber noch auf dem Weg, beobachte die Gemeinde und wachse erst hinein. Bachs Trio-
sonate in G-Dur für Violine, Querflöte und Orgel sowie Stücke von Georg Friedrich Telemann erklangen von der Empore. Anlass für die „Theologisch-musikalische Soiree“ war die Visitation der Kirchengemeinde durch eine Besuchergruppe aus Oestrich-Winkel.
Visitationen, die so alt sind wie die Kirche selbst, finden alle zehn Jahre statt und geben der Gemeinde Rückmeldungen über ihre Arbeit und setzen Ziele für die Zukunft. Neben Gesprächen hinter verschlossenen Türen hatten die Falkensteiner auch Veranstaltungen für die Öffentlichkeit vorbereitet.
Bereits am Vorabend waren Kirchenvorstand und die fünfköpfige Besuchergruppe im katholischen Pfarrsaal mit der Schwestergemeinde sowie mit Vereinen und Vertretern öffentlichen Lebens zusammen getroffen. Am Vormittag dieses Tages war man in Klausur gegangen und hatte die Gemeindearbeit bilanziert. Und für den Sonntag standen Gottesdienst mit Vorstellung der Konfirmanden und öffentliche Gemeindeversammlung auf dem Programm.
Melanie Mälzer vom Kirchenvorstand nimmt jetzt schon viele Ideen mit.  Der Austausch sei „sehr interessant und anregend“ gewesen, weil die Gemeinde in Oestrich-Winkel so ganz anders strukturiert sei. Durch das katholische Umfeld der Gäste hätten sie jetzt neue Anregungen für die Ökumene bekommen. Und gute Erfahrungen mit der Konfirmandenarbeit, wo die Kinder bereits mit neun Jahren erstmals erreicht werden, würde sie für Falkenstein gern aufnehmen.
„Das Fundament des Glaubens kann nicht früh genug gelegt werden“, ist auch Jürgen-Lewin von Schlabrendorff überzeugt. Der vierte „profilierte Protestant“ auf dem Podium in der Kirche, der im beruflich im internationalen Bankgeschäft tätig war, ist Mitglied im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer. Und Falkensteins Pfarrer Lothar Breidenstein bringt das gestellte Thema so auf den Punkt: „Das Evangelische hat seinen Ort nicht in irgendeinem Kultus, sondern im Alltag, also in der Familie und im Beruf.
Hans A. Genthe

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