Musikalische Teenager ziehen in Wallmerod alle Register
Höhr-Grenzhausen. Jan Meiss- In gewisser Weise stimmt das sogar. Denn beide haben zunächst jahrelang Klavier ge- Mittlerweile sind Jan und Lucas aber so weit, dass sie Gottesdienste begleiten können – was sie auch schon mehrmals getan haben. „Zuerst hat mich meine Lehrerin, Kantorin Dorothea Uibel, als Assistent mitgenommen, danach durfte ich mal ein einzelnes Lied spielen, und vor einigen Jahren habe ich dann schließlich einen kompletten Gottesdienst begleitet", erzählt Lucas Gerhard, der seinen ersten Orgelunterricht mit neun hatte. Aufgeregt waren er und sein Kollege während der Premieren nicht. Ganz im Gegenteil: Sie genießen ihre Arbeit und sind froh, auf diese Art ihr Taschengeld aufzubessern. Rund 70 Euro verdient jeder für jeweils zwei bis drei Einsätze pro Monat. „Der Job ist doch völlig ok", meint Jan Meissner, der seit vier Jahren Orgel spielt. „Andere müssen den ganzen Tag Zeitungen austragen, wir spielen eben abwechselnd in Wallmerod Orgel. Das macht uns Spaß. Denn sonst würden wir das nicht machen." Apropos Spaß: Jan interpretiert in Gottesdiensten nicht nur die klassische Orgelliteratur eines Bachs oder Buxtehudes. Er eröffnet den Sonntag auch schon mal mit einem aktuellen Popsong. „Moderne Lieder mag ich eben am liebsten. Meistens merken die Leute aber gar nicht, wenn ich einen Hit aus den Charts spiele", sagt er und lächelt. Was beide Organisten nicht so sehr mögen, sind allzu langsame Choräle. „Eher Stücke, in denen es ordentlich zur Sache geht, also Toccaten und Präludien", meint Lucas, dreht sich auf der Orgelbank in Richtung Tastatur und spielt ganz spontan die ers- Bis dahin wird das junge Duo noch viele Gottesdienste in Wallmerod begleiten. Und egal, ob flotter Popsong oder gediegener Choral: Dank der Unbeschwertheit von Jan Meissner und Lucas Gerhard bläst ein frischer Wind durch die alten Pfeifen der Wallmeroder Raßmann-Orgel. Peter Bongard
ner aus Wallmerod und der Westerburger Lucas Gerhard sind Youngster an einem uralten Instrument: Seit einigen Woche spielen die beiden Westerwälder die Orgel in der Evangelischen Kirchengemeinde in Wallmerod, und mit ihren jeweils 15 Lenzen sind sie das jüngste Organistenteam im Westerwald. Doch von ihrem Job sprechen sie so, als würden sie ihn schon seit einer kleinen Ewigkeit machen.
spielt, bevor sie sich an die Königin der Instrumente wagten. „Ich bekomme seit vier Jahren Orgelunterricht bei Kantor Tobias Martin", erzählt Jan. Anfangs ist ihm das ziemlich schwer gefallen. Denn der Anschlag einer Orgel unterscheidet sich deutlich von dem des Klaviers. „Und das Instrument klingt viel größer, mächtiger. Daran musste ich mich auch erst einmal gewöhnen", sagt er.
ten Töne von Bachs berühmter d-Moll-Toccata. Eine unbekümmerte Spontaneität, die einem eher schweren Instrument wie der Orgel guttut. Eigentlich eine tolle Voraussetzung, um aus seinem Talent etwas Besonderes zu machen. Doch noch kann sich keiner der beiden Manga-Fans vorstellen, Profi-Musiker zu werden. Jan möchte Informatik studieren, Lucas will Mediziner werden.

