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Endlich - die dOCUMENTA (13)

15.06.2012 - 0 Kommentare

100 Tage - bis zum 16. September pilgert die Kunstwelt nach Kassel

 

„Ich habe kein Konzept", meint die künstlerische Leiterin der 13. documenta, Carolyn Christov-Bakargiev, bei der Eröffnungspressekonferenz der weltgrößten Kunstausstellung in Kassel. Dabei will die Kuratorin Kunst und Wissenschaft verknüpfen. Nun gut. Nichts ganz Neues. Kunst ist für die Leiterin alles, das meiste aber halt durch Menschen definiert, die genau wissen, was Kunst zu sein hat. Da setzt sie den Hund gegen. Der ist und macht genauso Kunst wie ein gemaltes Bild. Deshalb gehört zu dieser documenta in der Karlsaue, für jeden Hundebesitzer eine Wonne, ein kunstvoll gestalteter Hundegarten. Mensch und Tier sind ein Zentralthema der documenta.

Der Kunst aus dem Nahen Osten, aber auch aus Afghanistan räumt Christov-Bakargiev viel Raum ein. „Die Künstler aus China sind fast ganz verschwunden", bemerkt ein finnischer Fernsehjournalist beim Presseempfang zum documenta-Auftakt.

Malerei hat kaum Platz auf der diesjährigen documenta, die bis zum 16. September in Kassel bis zu einer Million Menschen aus aller Welt anziehen soll.

Dafür sind in der Karlsaue und im Ottoneum, dem Kasseler Naturkundemuseum, viele Kunstwerke als Verbindung zwischen Natur und Kunst zu besichtigen. Claire Pentecost beispielsweise ersetzt Goldbarren durch Erdbarren und fragt nach der Zukunft der Landwirtschaft.

Und es ist eine documenta der weiten Wege. Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev hat in Kassel neben den traditionellen Ausstellungsorten Fridericianum, documenta-Halle und Neue Galerie viele neue Orte erschlossen. Der Bunker unter dem Weinberg wird ebenso bespielt wie das ehemalige Kaskade-Kino oder das ehemalige Elisabeth-Krankenhaus. Viele Installationen in der barocken Parkanlage der Karlsaue laden zum Flanieren ein, aber man sollte bei Regen schon festes Schuhwerk tragen. In der Pause nach dem Rundgang laden Frauen aus der Sahara zu Couscous und Tee ins Zelt und schildern kunstvoll ihre Lebenssituation.

Religion spielt nur eine kleine Rolle auf der documenta. Thomas Bayrle lässt in der documenta-Halle zu Flugzeuglärm Gebete ertönen. Hat da jemand Angst vorm Fliegen? Im Otto-neum, übrigens dem ältesten Theater Deutschlands, zeigt Michael Rakowitz von Steinmetzen rekonstruierte theologische Handschriften, die im Zweiten Weltkrieg beim Bombenangriff halb verbrannten. Rund 1500 Journalisten aus aller Welt lauschen angestrengt den Ausführungen der documenta-Chefin. „Auslassen, auslassen", betont die Kuratorin, blättert über Konzeptseiten und bietet ein gutes Ausstellungsrezept.

Wer die ganze documenta-Kunst verstehen will, ist sicher in dem Kunstdschungel verloren. Manches versteht sich von selbst, anderes erklärt ein Kunstführer, und das meiste ist halt so, muss ich auch nicht verstehen. Dafür genieße ich die Atmosphäre. Die Welt trifft sich in der Nordhessen-Metropole. Herrlich, dieses Flair, überall Musik und was zu sehen.

Beim abendlichen Presse-empfang der Stadt Kassel und dem Kasseler Presseclub preisen die meisten Journalisten die Ausstellung. „So viel moderne Kunst an einem Ort gibt´s nur hier", sagt eine Journalistin aus Sydney. Es gibt Musik vom Fanfarenzug zur Begrüßung und später plaudern die Gäste bei Swing und Jazzmusik. Am nächsten Tag wirkt der Hundeauslauf von Künstler Brian Jungen in der Aue niedlich, der thailändische Geist riesig. Ein Reiher landet am Küchengraben neben einem Galgen und wundert sich. Alles wunderbar!

Karsten Leonhäuser/rh

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