
Alles neu macht der Mai in Gersfeld
„Meine Gersfelder Kirche ist einfach imposant. Dieser Blick auf Taufstein, Altar, Kanzel und Orgel ist eine Einheit und für mich einmalig." Friedhelm Kammann vom Kirchenförderkreis kommt ins Schwärmen, wenn es um seine Heimatkirche in der Rhön geht. Von außen wirkt die Barockkirche schlicht. Sobald man die Kirche betritt eröffnet sich einem jedoch ein fulminanter Blick. Zwei Emporen bieten über 1000 Menschen Platz. Die Barockkirche ist ein Prachtstück. Diese Einzigartigkeit ist das, was Mario Hartmann an der Kirche schätzt. Viele Stunden hat er in den letzten Jahren in ihr verbracht und gearbeitet. Er ist einer der vielen Ehrenamtlichen, die ihre Kirche gemeinsam mit Handwerkern grundlegend saniert haben: „Im Innenbereich sind quasi alle Teile gestrichen worden", erzählt Hartmann. „Sogar die Kronleuchter sind auseinander gebaut worden", ergänzt er. Am 2. Mai um 9.30 Uhr feiert die Kirchengemeinde und die Stadt Gersfeld die Wiedereinweihung. Festprediger ist der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Bischof i.R. Wolfgang Huber aus Berlin. Am Anfang der Sanierung stand die Orgel. Die spielte schon Töne, ohne dass Tasten gedrückt wurden. Anfang 2005 gründete sich ein Förderverein für die Kirchenmusik. 200.000 Euro sollte die Sanierung der Orgel kosten, doch als die Kirchengemeinde genauer hinsah, wurde schnell deutlich, dass durch Hausschwamm im Dach dringend mehr gemacht werden musste. Jetzt, fünf Jahre später, sind die Gesamtkosten auf 1,3 Millionen Euro gestiegen. Eine viertel Million Euro kam durch Spenden von Gemeindemitgliedern und Firmen herein. Eine große Summe wurde vom Kirchenerhaltungsfond 2007 verdoppelt. In diesem Jahr will die Kirchengemeinde noch einmal sammeln, um wieder in den Genuss der Verdopplung zu kommen. Erstmals wurde 1785 die Kirche eingeweiht. Der Vorgängerbau aus dem Mittelalter war zu klein und baufällig geworden. Ein Neubau sollte her. Nicht alle in Gersfeld waren für eine neue Kirche. Drei Männer machten sich auf nach Wien, um sich bei Kaiser Joseph II. persönlich zu beschweren. Doch der unterzeichnete den Gersfelder Kirchbaubefehl. Der Bau begann 1780 und war nach fünf Jahren abgeschlossen. Die Gebrüder Johann Michael und Johann Christoph Wagner bauten die Orgel ein. Mehrfach wurde sie in den letzten 225 Jahren umgebaut. „Im Prinzip ist das eine neue Orgel", sagt Orgelbauer Markus Voigt, der in der letzten Woche mit Mitarbeitern die Orgel stimmte. „Vom Ursprung sind einige Prospektpfeifen und zwei Register erhalten", ergänzt er. Hatte die Kirchengemeinde bei der letzten Sanierung zwischen 1951 bis 1965 viel Metall eingebaut, dominiert jetzt wieder Holz. Die Kirchengemeinde Gersfeld kann stolz auf ihre Arbeit sein. Viele Menschen haben Samstag für Samstag in den letzten Jahren für ihre Kirche gearbeitet. Andere mit pfiffigen Ideen, wie dem Wunschchoral- Karsten Leonhäuser
blasen vom Kirchturm, Geld eingeworben. Hoffentlich bleiben die Menschen in Gersfeld ihrer Kirche weiter treu. Jetzt, da das Schmuckstück saniert ist, wäre es schön, wenn nicht nur am Einweihungstag die Menschen in ihre Kirche strömten.


