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Wie geht es weiter in Ludwigsau - fusionieren, aber wie?

01.06.2012 - 0 Kommentare

Ludwigsau-Rohrbach/-Mecklar. Zweimal hat die Mecklarer Pfarrerin Karin Ludwig-Heiderich in jüngster Zeit zu Gemeindeversammlungen eingeladen. Das erste Treffen fand vor sechs Wochen in Rohrbach statt – in der Mutterkirche des Kirchspiels, dessen Pfarrer sich wegbeworben und damit die spätestens 2017 fällige Neuordnung der Ludwigsauer Pfarrstellen „ausgelöst" hat. Denn auch in der größten Flächengemeinde Hessens, die sich mit ihren 13 Ortsteilen über 23 Kilometer und die Kirchenkreise Hersfeld und Rotenburg erstreckt, müssen angesichts zurückgehender Seelenzahlen und knapper Kassen Pfarrstellen eingespart werden.

Bischof Hein hatte zunächst vorgeschlagen, das Kirchspiel Rohrbach, in dem das renovierungsbedürftigste Pfarrhaus steht und in dem kein Gemeindehaus vorhanden ist, aufzulösen und die Gemeinden Rohrbach, Tann, Biedebach und Gerterode auf die Pfarrstellen Mecklar, Friedlos und Beenhausen aufzuteilen. Gegen diese Zerschlagung erhoben die Rohrbacher Kirchenvorstände massiven Protest. Alle anderen Kirchenvorstände und die beiden Kirchenkreisvorstände stimmten zu. Der Protest führte dazu, dass das Landeskirchenamt von seinem Vorschlag abrückte. Bei der Gemeindeversammlung in Rohrbach präsentierte der für Organisationsfragen zuständige Dezernent des Landeskirchenamts, Dr. Rainer Obrock, eine neue Variante, die die Auflösung aller bisherigen Kirchspiele und die Bildung eines Großkirchspiels Ludwigsau mit 2,75 Pfarrstellenanteilen und Dienstsitzen in Mecklar, Friedlos und Beenhausen vorsieht.

Da sich alle Kirchenvorstände bis zum 31. Mai zur Variante äußern sollten, lud die Mecklarer Ortspfarrerin nun auch zur Diskussion in die eigene Kirche ein. Gemeinsam mit dem Bad Hersfelder Dekan Ulrich Brill und dem Kasseler Kirchenrat Günther Dreisbach sollte nach Klarheit gesucht werden. Denn, wie sagte sie bei der Begrüßung: „Wir sind uns nicht darüber im Klaren, welche Lösung uns in die Zukunft führen wird."

Anders sah es Kirchenvorsteherin Erika Zilch, die darauf verwies, dass so oder so Pfarrbezirke gebildet werden müssen. Damit komme es in jedem Fall zu einer Aufteilung des Kirchspiels Rohrbach: „Das Ganze erhält nur einen anderen Namen!" Andere Kirchenvorstandsmitglieder kritisierten, dass bei der neuen Variante drei Pfarrer und zehn Kirchenvorstände eine praktikable Antwort auf die Frage finden sollen, welchem Pfarrer welche Gemeinde zugeordnet wird und wer welche Arbeitsbereiche übernimmt. „Warum wird das nicht in Kassel entschieden?", fragte Karl-Georg Apel, „was passiert, wenn wir uns nicht einig werden?", wollte Regina Klein wissen.

Kirchenrat Dreisbach verwies auf die grundsätzlich starke Stellung der Kirchengemeinden. Dekan Brill gab sich überzeugt davon, dass die Kirchenvorstände einen konsensfähigen Vorschlag unterbreiten werden, relativierte das allerdings auch mit dem unzweideutigen Satz: „Irgendwann wird exekutiert!"

Jürgen Wetzel zeigte sich verwundert darüber, dass das Landeskirchenamt die Mehrheitsmeinung in undemokratischer Weise ignoriere und stattdessen dem Protest der Einen zu Lasten der Anderen nachgebe: „Ich fühle mich da nicht ernst genommen!" Es sei auch nicht fair, wenn im Nachhinein behauptet werde, das Modell Großkirchspiel entspreche in etwa einem auf einer Einsparsynode „ohne Auftrag" diskutierten Zukunftsmodell „Einheitskirchengemeinde Ludwigsau".

Man habe das Kirchspiel Rohrbach nicht als Verlierer dastehen lassen können, gab Kirchenkreis-Chef Ulrich Brill gegen Ende der zweistündigen, nur mäßig besuchten Gemeindeversammlung zu bedenken. Deshalb habe man den Gemeinden das Signal gegeben: „Ihr werdet nicht aufgeteilt, sondern mit hineingenommen in einen neuen Gesamtverbund."

Wie es weitergeht, entscheidet der Bischof. Friedlos und Beenhausen haben die neue Variante bereits abgelehnt, Mecklar hat nach Redaktionsschluss Stellung genommen.

Wilfried Apel

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