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Heimat, Umbruch, Aufbruch

24.05.2012 - 0 Kommentare

Bad Hersfeld. Ein bisschen stressig war es schon. Vor allem am ersten Tag seines Besuches in Waldhessen, als Bischof Martin Hein nach einer Konferenz in Sarajewo und gerade einmal zwölf Stunden nach seiner Landung in Frankfurt am Main vor dem neu erbauten Bad Hersfelder Gemeindehaus auf der Matte stand. Die Visitation des lange Zeit größten Kirchenkreises der Landeskirche stand auf dem Programm oder – wie Dekan Ulrich Brill es bei der Abschlusspressekonferenz ausdrückte: „Ein schönes und anstrengendes Erlebnisprogramm“, mit dem der Bischof über aktuelle kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen informiert werden sollte.
Erster Programmpunkt  war die Teilnahme an der Pfarrkonferenz. Hein wollte wissen, mit welcher biblischen Geschichte sich seine Hirten gerade befassen. Schnell kam man miteinander ins Gespräch, aber schon bald musste man sich auch wieder voneinander verabschieden, denn in Raboldshausen sollten an der gerade renovierten Kirche Tafeln enthüllt werden, die von der Geschichte des Gotteshauses künden. Martin Bieber, der Vorsitzende des Förderkreises, berichtete, wie sehr sich die Gemeinde für ihre Kirche eingesetzt hat. Das freute den Bischof und er gab den Anwesenden mit auf den Weg: „Schonen Sie sie nicht und nutzen Sie sie zu allen Anlässen!“
In Meckbach, ganz am anderen Ende des Kirchenkreises, durfte der Bischof am Sonntag die Festpredigt anlässlich der Einweihung des in neuer Schönheit erstrahlenden Fachwerkkirchleins halten. Passend zum Sonntag Rogate sprach er über die Kraft des Gebets. Auch die, die normalerweise nicht so oft zum Gottesdienst gehen, wollten sich seinen Besuch nicht entgehen lassen. Und sie waren beeindruckt: „Er hat sich gut auf uns eingestellt – das was er gesagt hat, war genau richtig!“
Auch Bischof Hein war beeindruckt: Davon, dass eine knapp 600 Seelen zählende, vergleichsweise kleine Gemeinde in einer Region, die bis heute stark evangelisch geprägt ist, 25.000 Euro für die Renovierung ihrer Kirche aufgebracht hat. Und er war sich sicher: „Weil es um ein Gebäude ging, das für die Menschen Heimat ist, haben sich alle eingebracht!“ Danach nahm er am Kirchenfest teil. Und auch Zeit für Gespräche fand sich, denn Pfarrerin Karin Ludwig-Heiderich und ihr Kirchenvorstand hatten Bischof, Pröpstin und Dekan auf verschiedene Tische aufgeteilt, was Dekan Brill mit Blick auf Hein zu der Bemerkung veranlasste: „Da bist Du ja jetzt ein Bischof zum Anfassen!“ Als der dann gehen musste, wurde er mit Applaus verabschiedet, denn er hatte mitgesungen, zugehört und Antworten gegeben auf Fragen, nach der Zukunft des Kirchspiels, das aufgelöst werden soll.
Später sprach er davon, dass Hersfeld ein Kirchenkreis im Umbruch und im Aufbruch sei. Im Aufbruch, weil es aus einer geographischen Randlage in die Mitte Europas gerückt sei. Dennoch nehme auch hier die Zahl der Einwohner und der Evangelischen ab. Das habe zur Folge, dass bei den Pfarrstellen gespart und von Liebgewordenem Abschied genommen werden müsse. Im Umbruch, weil es neben hoch engagierten Pfarrerinnen und Pfarrern und vielfältigen Kooperationen ein hohes Potential an ehrenamtlich Mitarbeitenden gebe: „Leute, die bereit sind, für die Bezeugung des Evangeliums einzustehen.“
Dazu zählen insbesondere Lektoren und Prädikanten, denen der Bischof am Samstag anlässlich ihres alljährlichen Treffens, das unglücklicherweise zur gleichen Zeit wie das Fußball-Pokalendspiel stattfand, einen Besuch abstattete. Nach Pizza und Rotwein versicherte er ihnen: „Weil Sie in unermüdlicher und beeindruckender Weise Dienst tun und mehr als ein Drittel aller Gottesdienste halten, muss bei uns – im Gegensatz zu anderen christlichen Kirchen – kein Gottesdienst ausfallen.“  Hein ermunterte sie, auch weiterhin mit ihrer Person für die Gemeinden einzustehen, auch dann, wenn nur zwei oder drei zum Gottesdienst kämen oder wenn der Dienst nicht überall geschätzt werde: „Sie sind keine Lückenbüßer, Sie haben Ihren eigenen Auftrag. Wir sind stolz darauf, dass wir Sie haben!“  
Am Montag war der Kasseler Oberhirte zu Gast in der Gesamtschule Heringen. Aus den Gesprächen mit den Schülern nahm er die für ihn „hochpositive“ Erkenntnis mit, dass junge Leute von Kirche und gerade auch von Gottesdiensten „Authentisches“ und Impulse erwarten. Schlusspunkt war ein Besuch im Bad Hersfelder „Haus der Diakonie“. Im Gespräch mit den Mitarbeitenden hob er die Bedeutung der Arbeit der Diakonie für die Ortsgemeinden hervor und stellte fest: „Sie sind ein Gesicht der Kirche.“
Wilfried Apel

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