aktuelles

Gottesdienst mit Thüringer Bratwurst

11.05.2012 - 0 Kommentare

Das war ein Gottesdienst, aus dem ich beschwingt dem Ausgang zustrebte. Und wenn vor der großen Kirchentür dann eine herzhafte Möhren-Mango-Suppe, Thüringer Bratwurst und ein leckeres Kuchenbuffet den Kirchenbesucher erwarten, dann heißt es: Herz, was willst du mehr. Toller Gottesdienstservice! So geschehen beim Abschiedsgottesdienst von Dekan Michael Bedbur in Schmalkalden.

 

Die Sonne lachte vom Himmel, viel Volk drängte es in die mächtige Schmalkaldener Stadtkirche. Lächelnd lesen zwei Dekane, die ebenfalls dem Ruhestand entgegenstreben, den Programmhinweis im Gottesdienstheft: „Wir danken für Ihr Verständnis, wenn aus zeitlichen Gründen um der Begegnung willen wie auch hinsichtlich des Gesprächsbedarfs unterein-ander weitere Grußworte gern schriftlich entgegengenommen werden." Welch grandiose Idee und zur Nachahmung empfohlen! Vor mir in der Kirchenbank sitzt ein junger Mann mit breitem Rücken, Auf seinem T-Shirt lese ich: „Lutherisch aus gutem Grund." Von wegen kein Gottesglaube im Osten, denke ich. Die Posaunen schmettern die Europafanfare, die Gemeinde steht auf und dann ziehen sie feierlich ein, der Kirchenvorstand, die Pfarrerinnen und Pfarrer, Dekan Bedbur und Pröpstin Kropf-Brandau.

Renate Löscher, Vorsitzende der Kreissynode und des Kirchenvorstands begrüßte fröhlich und betonte: „Wir wollen feiern, Gott und dem Dekan zur Ehre!" Der Chor sang dazu mit Hingabe „In dir ist Freude".

Für Pröpstin Sabine Kropf-Brandau war es in ihrem jungen Amt die erste Dekansverabschiedung. Ein bisschen aufgeregt schien sie schon. „Gott hat es gut gemeint in Ihrem Amt", bescheinigte sie dem scheidenden Dekan. Sie erzählte von seinem Lebensweg, der in einem Leipziger Pfarrhaus begann. Schon als Kind habe Michael gerne die alten Damen der Gemeinde besucht, der Pfarrberuf kam quasi zwangsläufig. Was in der DDR schwierig war, wurde für Dekan Bedbur und seine Familie in der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck zum Segen. Da waren glückliche Jahre in Ulfen, dann folgten Wanderjahre als Militärdekan zwischen Kassel und Warnemünde. Die schönste Herausforderung, so die Pröpstin, war zum Schluss die Dekanszeit in Schmalkalden. Seine Leitung war zurückhaltend, nie fordernd, eher bittend. Das habe ihm Respekt und Hochachtung verschafft. Mit ihm habe man diskutieren, beten und feiern können. Seine Cocktails seien weit über Schmalkalden hinaus berühmt. Trotzdem, so die Pröpstin, das Dekansamt mit seinen vielfältigen Anforderungen heute sei nicht immer lustig und mancher der Dekanskollegen nickte heftig mit dem Kopf.

„Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und mit ganz viel Liebe zum Gottesdienst sein Amt versah", predigte Kropf-Brandau und folgerte: „Gesegnet ist weiter der Mann, der zukünftig im Ruhestand in Leipzig leben wird. Bleib behütet, Michael Bedbur!"

Da sang die Gemeinde mit Freude sein Lieblingslied: „Sollt ich meinem Gott nicht singen, sollt ich ihm nicht dankbar sein. Ich lob und lieb in Ewigkeit."

Dekan Michael Bedbur predigte ansprechend. Keiner der Zuhörer versuchte sich im Mittagsschlaf, alle lauschten gespannt, was Bedbur heute verkündet. Der dankte fast jedem persönlich für alle guten Erfahrungen, die er und seine Familie in dieser wunderschönen Region machen durften. „Mir wurde Schmalkalden zur Heimat", betonte der Dekan und die Schmalkaldener strahlten. Er dankte seiner Familie, die alle Wege klaglos mitgegangen seien, der Pfarrerschaft, den Kirchenvorständen und der großen Mitarbeiterschaft. „Ich bin glücklich über die erlebte Lebendigkeit der Menschen, das gute Verhältnis zu den Kommunen und zum Kasseler Olymp, also der Kirchenleitung", so Bedbur schmunzelnd.

Er habe bitter erlebt, wie Menschen mit ihren Ideologien Menschen in Nazi- und DDR-Zeiten verändern wollten und total Schiffbruch erlitten. Da bleibt alles beim Alten. Vom Elternhaus bis zuletzt im schönen Amt in Schmalkalden habe er die Erfahrung gemacht, so Bedbur, es brauche einen total anderen Ansatz, keinen menschlichen, sondern den göttlichen.

Sein Glaubensbekenntnis ist, und so hat er es als Pfarrer immer verkündigt hat: Allein Christus kann Menschen verändern, kann Versöhnung und Neuanfang bewirken. Das bleibt in Schmalkalden über den Ruhestand hinaus.

Und die Thüringer Bratwurst auf dem Kirchenvorplatz – mit viel Senf und einem Dekan, der viele Hände schütteln musste.

Reinhard Heubner

Kommentar schreiben

Mein Probe-Abo

Schenken Sie sich gratis zwei Wochen lang zum Kennenlernen das Kasseler Sonntagsblatt.

Jetzt anfordern



Geschichten aus Kleindottersdorf

Das neue Buch von Reinhard Heubner

Jetzt bestellen