
Rudolf Schulze ist neuer Präses
Hofgeismar. Die Frühlingssonne scheint über Hofgeismar. In der Brunnenkirche sitzen erwartungsvoll die neuen Synodalen der 12. Legislaturperiode zum Auftaktgottesdienst. Ihre Kreissynoden haben sie in das oberste Leitungsgremium der Landeskirche entsandt. 12 Teilnehmer wurden vom Rat der Landeskirche berufen. In der Kirche ist es kalt. Will man die Synodalen bei den kühlen Temperaturen schon auf finanzielle Notwendigkeiten einstimmen? Bischof Dr. Martin Hein bezeichnete in seiner Predigt das Synodenamt als unverzichtbar. Denn der Synode obliegt in allen kirchlichen Fragen die letzte Entscheidung. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zu weltlichen Parlamenten, so der Bischof, denn nach evangelischem Verständnis hat in der Wahl Christus selbst gehandelt. „Ich habe euch erwählt", sagt Christus. Damit, so Hein, werde das Amt zu einem geistlichen Amt. Das habe zur Folge, dass es keine Unterscheidung gebe zwischen Geistlichen hier und Laien dort. Man begegne sich auf gleicher Ebene. Zusammen sei man berufen, im Auftrag Christi für die Bezeugung des Evangeliums einzutreten. Allerdings tage die Synode in schwerer Zeit, so der Bischof weiter. Denn der Wind blase der Kirche vielfältig entgegen. Die schrecklichen Missbrauchsmeldungen haben Spuren des Misstrauens gegenüber der Kirche hinterlassen. „Umso mehr danke ich ihnen, dass sie mitarbeiten wollen, nicht den Mangel zu verwalten, sondern dass wir hingehen und Frucht bringen." Hein erinnerte an diesem Montag an den Satz des Reformators und Freund von Martin Luther, an Philipp Melanchthon, der genau vor 450 Jahren starb: „Wer Christus hat, hat alles und kann alles." In diesem Sinn erhoben sich dann die Synodalen und gelobten: „Wir geloben vor Gott, als Mitglied der Landessynode im Gehorsam gegen Gottes Wort und in Treue zum Bekenntnis der Kirche danach zu trachten, dass unsere Kirche in Einigkeit des Glaubens und in der Gemeinschaft der Liebe Christi erhalten bleibe und darin wachse." Abschied von Präses Ute Heinemann Für Präses Ute Heinemann kam jetzt im Synodalsaal die letzte Amtshandlung. 18 Jahre hatte sie der Synode als Chefin vorgestanden. Sie begrüßte und berichtete in ihrer charmanten Art, dass zwei Synodale wegen der Aschewolke in den USA und Jordanien festsäßen. Sie wünschte weitere schöne Tage. „Ich habe meine Arbeit gerne getan und übergebe nun gemäß unserer Grundordnung das Zepter an Bischof Hein", so ihre Abschiedsworte, begleitet von viel Applaus der Synode. Bischof Hein dankte Präses Heinemann für die guten achtzehn Jahre, was auch nach kurhessischen Dimensionen eine lange Zeit sei. So könne man getrost sagen, eine Ära geht zu Ende. Ute Heinemann habe als Frau Präses Akzente gesetzt, bedingt durch ihren Beruf als Schulamtsdirektorin natürlich besonders im pädagogischen Bereich. „Acht Jahre hatten Sie, liebe Frau Heinemann, Ihren Platz neben Bischof Zippert, zehn Jahre saßen wir nebeneinander auf gleicher Höhe." Das sage viel über das beispielhafte Verhältnis von Kirchenleitung und Synode: „Es ist kein Gegenüber, kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander." Als Dank überreichte Bischof Hein Präses Heinemann ein neu geschaffenes Buch mit gehaltenen Rundfunkandachten von Ute Heinemann. Dekan Schulze neuer Präses Erste Amtshandlung nach der Verabschiedung war dann für Bischof Hein die Organisation der Wahl des neuen Präses. Zwei Kandidaten wurden vorgeschlagen, der Melsunger Dekan Rudolf Schulze und Polizeipräsident i.R. Wilfried Henning aus Kaufungen. Rudolf Schulze erhielt 50 Stimmen und Wilfried Henning 42 Stimmen. Damit ist Schulze neuer Präses der Synode für die nächste Legislaturperiode von sechs Jahren. Schulze nahm nun Platz neben Bischof Hein auf der „Regierungsbank" und leitete die Wahl der Beisitzer. Es wurden gewählt Wilfried Henning, danach Christiane von der Tann. Sie setzte sich durch gegen Claudia Brinkmann-Weiß. Es gab viele Gratulationen, aber auch Enttäuschungen. Bischofsbericht Bischof Hein machte in seinem Kurzbericht die Synode vertraut mit den Problemen, die auf EKD-Ebene oder in der Landeskirche anstehen. Eine gewünschte konfessionelle Einigung zwischen Lutheranern und Unierten ist schwieriger als gedacht, und die Kooperation zwischen Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck braucht noch viel Gottvertrauen. Und der landeskirchliche Strukturprozess müsse mal ein Ende finden, mahnte der Bischof. Er bittet die Landessynode eindringlich, die notwendigen Beschlüsse umzusetzen und sie den Kirchenkreisen und Gemeinden zu vermitteln. Reinhard Heubner


