Künstlerische Sozialarbeit am Lutherplatz
Kassel. Seinen Beitrag zum Documentajahr leistet der Stadtkirchenkreis Kassel mit der Einladung der Künstlergruppe WochenKlausur. Die vier jungen Wiener möchten mit ihrer Arbeit Beiträge zur Verbesserung des Zusammenlebens leisten. In weltweit über dreißig Projekten haben Nadja Klement, Hannah Öllinger, Manfred Rainer und Claudia Eipeldauer bereits zu gesellschaftspolitischen Themen und Problemstellungen gearbeitet.
In Kassel lautete die Aufgabenstellung die Verbesserung der Situation am Lutherplatz. Der zentral gelegene Innenstadtplatz an der evangelischen Lutherkirche wird von Menschen aus der Drogenszene als Treffpunkt genutzt. Das führt immer wieder zu Konflikten mit Passanten, Besuchern und Mitarbeitern des Gemeindehauses und des Evangelischen Forums. Der Versuch der Stadt Kassel, die Situation durch das Angebot eines Trinkerraumes zu entschärfen scheitert an der praktischen Umsetzung und sorgt für andauernde Diskussionen. Der Plan die Lutherkirche in naher Zukunft zur Jugendkulturkirche umzuwandeln, macht eine Problemlösung immer dringender.
Im Februar hat die Künstlergruppe die Situation vor Ort bereits genauer analysiert durch zahlreichen Gesprächen mit Passanten, Bewohnern und Mitgliedern der Drogenszene sowie mit Stadt, Kirche und Polizei. Nun war „WochenKlausur“ für drei Wochen erneut vor Ort und hat mögliche Lösungsansätze erarbeitet.
Der misslichen Situation zugrunde liegt laut Gruppenmitglied Nadja Klement vor allem ein Kommunikationsproblem. „Jeder hat seine Brille auf, durch die er das Problem aus seiner Sicht betrachtet“, erläutert sie. Außerdem sei ein Vakuum an Zuständigkeit entstanden. „Niemand fühlt sich für den Platz letztendlich verantwortlich“, ergänzt Manfred Rainer. Veränderung soll nach Idee der Künstler die Einstellung von zwei Sozialarbeitern bringen, die als eine Art Ombudsmänner, die Interessen der einzelnen Gruppierungen wahrnehmen, kommunizieren und vermitteln. Dazu gehöre auch das Aufstellen von Regeln und deren Durchsetzung in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt. Wie diese zwei halben Sozialarbeiterstellen mit rund 60.000 benötigten Euro finanziert werden sollen, steht allerdings noch in der Schwebe. Nadja Klement kann sich eine Kooperation von Stadt und Kirche vorstellen.
Als sichtbare Aktion nach außen fanden an drei Tagen in einem Holzhäuschen auf dem Lutherplatz Gespräche zwischen unterschiedlichen Akteuren statt. So waren unter anderem Pröpstin Katrin Wienold-Hocke, Stadträtin Anne Janz, Kirchenvorstandsvorsitzender Hans-Helmut Horn eingeladen mit anderen Nutzern des Platzes zu reden. Von den Gesprächen im geschützten Raum, erhoffen sich die Künstler weitere Inspirationen, die zur besseren Atmosphäre auf dem Platz beitragen sollen.
Ihre Einladung selbst hat sich das Stadtkirchenamt mit Unterstützung der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck immerhin 30.000 Euro kosten lassen.
Britta Gutsch

