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18 Kilometer bis zum Osterfeuer

13.04.2012 - 0 Kommentare

Siegbach. Einen Osterweg der besonderen Art nahmen fünfzehn Männer aus Siegbach bei Dillenburg am Ostersonntag unter die Füße. Das Männerteam der Evangelischen Kirchengemeinde Siegbach hatte dazu eingeladen, Ostern einmal anders zu erleben. Sie brachen in der Nacht auf Ostersonntag um zwei  Uhr morgens auf dem Kirchberg in Eisemroth auf zu einem Osterpilgerweg durch die Nacht.
Der Weg führte über vier der fünf Dörfer des Kirchspiels von Eisemroth über Oberndorf nach Tringenstein. Von dort aus an den Wilhemsteinen vorbei nach Wallenfels und dann wieder zurück auf den Kirchberg in Eisemroth. Das waren immerhin gut achtzehn Kilometer in vier Stunden und dabei mussten auch 300 Höhenmeter bewältigt werden. Die Idee umgab den Reiz des Abenteuers, eine Prise Verrücktheit und eine große Handvoll Entdeckerlust, etwas Neues auszuprobieren, um Ostern zu erfahren: sich anstrengen müssen, steil bergauf wandern, durch das Dunkel zum Licht gehen, vertraute Wegstrecken ganz fremd und somit neu zu erfahren – und das Ziel zu haben, am Ende am Osterfeuer anzukommen und mit der Sechs-Uhr-Osterfeier aufatmen zu dürfen.
Gerade für Männer wollten wir diese Idee anbieten, denen viele Worte zu viel sind, die dafür aber gerne anpacken und einfach losgehen.
Fünfzehn Männer im Alter zwischen 11 und 72 Jahren machten mit. Nachts um zwei Uhr gab ich unserer Gruppe den Segen Gottes auf den gemeinsamen Weg: „Wir wollen dem Licht des neuen Tages entgegengehen. Wir wollen auf Ostern zugehen. Durch das Dunkel hindurch möge es hell werden vor uns. Bitte begleite du uns und segne unseren Weg“. Während in der Dorfkneipe in Eisemroth sich die letzten Nachtschwärmer zum Bier trafen, zogen wir Fünfzehn von Eisemroth aus los. Die Kapelle von Oberndorf, das kleine Gotteshaus aus dem Mittelalter, war der erste Anlaufpunkt. Mitten in der Nacht war wohl noch keiner der Männer hier gewesen. Neben der Kapelle waren es noch der Schlossberg von Tringenstein und das Dorfgemeinschaftshaus von Wallenfels, wo wir kurze Rast machten. Rast, um Tee zu trinken, Kerzen anzuzünden, einen Moment Pause einzulegen und einen kurzen Bibeltext zu hören, still zu werden und uns dann nach einem Gebet wieder auf den Weg zu machen. Es tat gut miteinander unterwegs zu sein. Die allermeisten kannten sich. Es tat gut miteinander zu reden, Alltägliches, Berufliches, ein paar Frotzeleien, manches Persönliche.
Oben auf dem Schlossberg, auf 534 Meter Höhe, dem höchsten Punkt von Siegbach, bot sich gegen drei Uhr ein wunderschöner Blick über die vom Vollmond beschienenen Berge ringsum, unter uns das schlafende Tringenstein und eine tiefe Stille. Die letze Etappe von Wallenfels zurück war die längste – und die spannendste, da wir kräftig ausschreiten mussten, um rechtzeitig anzukommen. Punkt sechs Uhr langten wir beim Osterfeuer auf dem Kirchberg an, das die Küsterin schon entzündet hatte und wo die Gemeinde gespannt auf uns wartete. Wir  streckten wohlig die Hände über den Flammen aus. Ostern konnte beginnen!
Pfarrer Markus Stambke

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