Pfarrer Mitri Raheb, Bethlehem, hat diesen Preis nicht verdient

21.02.2012 - 0 Kommentare

In Baden-Baden werden am 24. Februar vier Menschen mit dem Deutschen Medienpreis geehrt. Die Laudatio wird der frühere Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog halten. Einer der Preisträger ist der evangelische Pfarrer der lutherischen Gemeinde Bethlehem, Mitri Raheb. Seine Preiswürdigkeit hat in Israel und christlichen Kreisen Unverständnis und Protest ausgelöst. Wir baten Pfarrerin Dr. Petra Heldt, Jerusalem, und den Journalisten und Kenner der lutherischen Gemeinde in Bethlehem, Peter Burghold, um Stellungnahmen.

 

Die deutsche Pfarrerin Dr. Petra Heldt setzt sich seit Jahren für Verständigung im Heiligen Land ein. Als Direktorin der „Ökumenisch-Theologischen Forschungsgemeinschaft in Israel" wirkt sie versöhnend in der innerchristlichen Ökumene und im deutsch-israelischen Gespräch. Pfarrer Mitri Rahebs spaltende Arbeit in Bethlehem dagegen verfolgt sie seit Jahren kritisch. Sie schreibt:

„Pfarrer Mitri Raheb aus Bethlehem ist einer der vier vorgeschlagenen Kandidaten für den diesjährigen Medienpreis, der vergeben wird im Verbund mit einer Laudatio von Altbundespräsident Herzog. Während die drei anderen Aspiranten diese hohe Auszeichnung zweifellos verdienen, zeigt sich im Hinblick auf Raheb erheblicher Widerstand von christlicher und jüdischer Seite.

Das Argument für seine Nominierung ist: „Raheb hat eine ganze Infrastruktur von Schulen, Gesundheitszentren und Begegnungsstätten geschaffen, die das alltägliche Leben für die Menschen in Bethlehem leichter machen" und dass er sich damit „für die Verständigung von Christen, Moslems und Juden einsetzt".

Die Gegner sagen, dass die Erwähnung der ihm zugeschriebenen Infrastruktur stark übertrieben sei im Hinblick darauf, dass er in einem einzigen Gebäude eine Schule, ein Gymnastikraum und Lehrlingsausbildungsräume eingerichtet habe.Aber die Behauptung, dass er sich für die Verständigung von Christen, Moslems und Juden einsetze, ist schlicht unwahr.

In dieser Rede gibt es markante Sätze, etwa „Israel präsentiert das Rom der Bibel, nicht das Volk des Landes. Und das ist nicht nur, weil ich ein Palästinenser bin. Ich bin sicher, wenn wir einen DNA-Test machen würden zwischen David, der ein Bethlemite war, und Jesus, der in Bethlehem geboren wurde, und Mitri, der gegenüber von der Straße von Jesus geboren wurde, bin ich sicher, die DNA wird zeigen, dass es da eine Linie gibt.

Aber, wenn man König David, Jesus und Netanyahu zusammenlegt, bekommt man nichts, weil Netanyahu von einem osteuropäischen Stamm kommt, der im Mittelalter zum Judentum konvertierte".

Oder: „Die palästinensischen Christen sind die einzigen in der Welt, die, wenn sie über ihre Vorväter reden, ihre eigentlichen Vorväter meinen und auch die Vorväter im Glauben." „So, das ist die Realität der Völker des Landes. Wieder, sie sind nicht Israel. Die Erfahrung, über die ich spreche, ist nur die der Palästinenser, sie verstehen das, weil Israel Rom präsentiert."

Wie man sieht, sagt Raheb, dass die palästinensischen Christen die Juden ersetzen als das Volk der Bibel. Und er stellt diese Forderung auf der Grundlage rassischer Überlegungen.

Die Kritiker sagen, dass solche Aussagen so unverhältnismäßig seien, dass sich eine Diskussion sechzig Jahre nach der Wannsee Konferenz erübrige. Es sollte vielmehr undenkbar sein, dass jemand, der solche Behauptungen aufstellt, als Kandidat für den Medienpreis gelten kann.

Aus diesen Gründen würde Professor Roman Herzog, der für seine gute Beziehung zum Staat Israel bekannt ist, im Falle einer Laudatio auf diesen Kandidaten, ihn zu einem unberechtigten Status in Deutschland erheben."               Petra Heldt

 

 

Wer ist Mitri Raheb - Friedens- oder Brandstifter?

Vielmehr arbeitet er seit Jahren, zusammen mit ähnlich denkenden palästinensischen Pfarrern, an der Deligitimisierung des Staates Israel. Er trägt diese Botschaft in die ganze Welt und nicht zuletzt nach Deutschland. Einen Einblick in seine unbiblischen und falschen Behauptungen gibt seine englische Rede auf einer Anti-Israel-Konferenz in Bethlehem.

An Mitri Raheb scheiden sich die Geister: Für die einen ist er der überzeugte und überzeugende Christ im Bereich der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land schlechthin – vielleicht sogar der „heimliche" Bischof.

Der Mann, der es versteht, unbeirrbar für die Sache der palästinensischen Christen einzutreten; der Mann, der es immer wieder verstanden hat (auch gegenüber der großen Partnerkirche in Deutschland), im Dienste der ihm Anvertrauten seine Ziele durchzusetzen; der Mann, der wie kein anderer hier Gehör findet und der in der Lage ist, große Projekte anzupacken und seine Ziele durchzusetzen. Für seine Kritiker gilt das alles nicht: Die Israelis betrachten ihn eher als „Feind", als unversöhnlichen Gegner und Stimmungsmacher. Ausgleichend, vermittelnd sein, das könne er nicht und wolle er auch nicht. Insofern sei er im Interesse eines Friedensprozesses im Heiligen Land am falschen Platz. Viele Berufskollegen (gerade auch in unmittelbarer Nähe) betrachten ihn als eitlen Selbstdarsteller, dem es immer wieder gelingt, sich ins rechte Licht zu setzen – besonders auch auf Kosten anderer. Einer, der sich und seiner Familie (was ihm viele vorwerfen) alle Vorteile verschafft, die seine Stellung und sein Amt mit sich bringen…

Doch was ist Mitri Raheb wirklich?

Wahrscheinlich von jedem etwas. Deshalb hat er auch im Kollegenkreis viele Neider. Und das sicher nicht immer zu Unrecht. Er hat seine Stellung in Bethlehem immer wieder „gnadenlos" ausgenutzt, Gelder für seine Projekte zu generieren; oft, so schien es, eher aus Pres-tigegründen als aus sachlichen Argumenten. Der Kritik-Punkt, er habe sich dort ein „Denkmal" gesetzt, ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen.Dass Mitri Raheb den palästinensischen Christen Stimme und Gesicht verliehen hat und verleiht, mag sein. Aber dass viele Menschen, auch in Deutschland, nicht so richtig erkennen können, wo er der große, ausgleichende Friedensstifter in einer mehr als unfriedlichen Region ist, stimmt wohl auch.                     P.H. Burghold                                                                                  

 

Ob alle Gelder, Spenden und Zuwendungen aus der EU und von europäischen Gemeinden der lutherischen Gemeinde in Bethlehem wirklich zugute kommen, darf gefragt werden. Doch solche Fragen sind unerwünscht. Der evangelischen Pfarrerschaft in den palästinensischen Gebieten in Bethlehem, Beit Jala, Beit Sahour geht es wirtschaftlich gut. Repressionen ist keiner ausgesetzt. rh

 

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