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Für Georg Maus galt Feindesliebe

27.01.2012 - 0 Kommentare

Bottendorf. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) führt keinen „Heiligenkalender“, aber sie hat festgelegte Gedenktage für Personen, die in der Geschichte der Kirche und des Glaubens hervorgetreten sind. So wird alljährlich am 15. Februar an den aus Bottendorf bei Frankenberg stammenden Pfarrerssohn und Lehrer Georg Maus erinnert, der am 15. Februar 1945 als gefangen gesetztes Mitglied der Bekennenden Kirche auf dem Transport von Berlin nach Dachau ums Leben kam.
Im Pfarrhaus von Bottendorf schuf 1975 der Glasmaler Erhard Klonk  auf Anregung von Pfarrer Gustav Hammann (1922–1978) ein Wandgemälde des Heiligen Georg mit dem Drachen, das symbolisch zusammen mit den Lebensdaten das Gedenken an Georg Maus im Bewusstsein halten soll. In einem alten Fotoalbum, das zum Dorfjubiläum „750 Jahre Bottendorf“ ausgewertet wurde, tauchten erstmals Bilder auf, die von einer wohlbehüteten Kindheit im Pfarrhaus, wo Vater Melchior Anton Maus als Seelsorger wirkte, berichten.
Georg Maus wurde am 5. Juni 1888 in Bottendorf geboren, wuchs bis zum Fortzug seiner Eltern 1903 an der Nemphe auf, besuchte später das Gymnasium in Rinteln, nahm am Ersten Weltkrieg teil, studierte Theologie und  beendete 1921 seine Lehrerausbildung. In Wuppertal machte er während der NS-Zeit als Anhänger der Bekennenden Kirche unter Lehrern und Schülern keinen Hehl aus seiner Überzeugung.
Zeitgenossen von ihm berichteten, dass Georg Maus an seiner Heimat Bottendorf hing, dort auch Klassengefährten besuchte und Spaziergänge unternahm. Als er 1943 nach Bottendorf kam, trug er an Kopf und Armen dicke Verbände. Nach den Ursachen gefragt, habe er nicht geantwortet.
Später erfuhren seine Freunde, dass er durch Schläge eines Gestapo-Mannes nach dem britischen Phosphor-Angriff auf Wuppertal verletzt worden sei. Die schweren Luftangriffe hatte er als „Gericht Gottes“ bezeichnet, im Unterricht über die Bergpredigt seine Schüler zur Feindesliebe aufgerufen. Jungen in HJ-Uniform mussten ihre Fahrtenmesser abschnallen und ins Lehrerpult legen.
Im Mai 1944 wurde Maus deswegen aus dem Unterricht heraus von der Gestapo verhaftet und in das berüchtigte Gefängnis Berlin-Moabit gebracht. Er bekam drei Jahre Haft wegen Wehrkraftzersetzung. Auf dem Transport von Berlin nach Dachau verhungerte er. Er starb 56-jährig in der Nacht des 15. Februar 1945, sein Leichnam wurde in Höchstedt bei Lichtenfels ausgeladen, lag dann fünf Tage auf dem Bahnhofsgelände im Schnee, bis er bei der nächsten Station, im KZ Flossenbürg, begraben wurde.
Dort erinnert heute das unscheinbare Grab Nr. 4950 im Feld L, Reihe 1b, an diesen Glaubenszeugen aus Bottendorf. Nicht weit davon entfernt befindet sich die erheblich auffälligere Gedenkstätte für Dietrich Bonhoeffer, der hier am 9. April 1945 im Arresthof erhängt wurde. 
Karl-Hermann Völker

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