aktuelles

Im Winter ist die Kirche zu

12.01.2012 - 0 Kommentare

Kassel/Mariendorf. Der Blumenschmuck auf dem Altar der Kasseler Apostelkapelle ist frisch, die Bibel liegt aufgeschlagen vor dem Altarkreuz und zwei Kerzen stehen rechts und links. Es ist alles hergerichtet für den Sonntagsgottesdienst um neun Uhr, doch der findet nicht mehr statt. Kurz vor Weihnachten beschloss der Kirchenvorstand der Kasseler Friedenskirche, zu der die Apostelkapelle gehört, den Gottesdienst am Sonntagmorgen während der Heizperiode zu streichen. „Wir rechnen, dass wir 2500 Euro im Jahr dadurch einsparen“, erklärt Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath. Im Winter werden lediglich die meditativen Abendgottesdienste am ersten Sonntag im Monat und die Gottesdienste an Weihnachten weiter in der Apostelkapelle gefeiert. 25 Gottesdienste entfallen durch die Änderung.
Die Kasseler Kirchengemeinde zehrt derzeit von ihren Ersparnissen. Über 10.000 Euro fehlen aktuell im Haushalt. „Wenn wir nichts ändern, sind spätestens 2013 die Rücklagen aufgebraucht“, so Köstner-Norbisrath. 20 bis 30 Besucher gehen sonntags morgens in die Apostelkapelle. Die will die Gemeinde jetzt in die Friedenskirche einladen. 15 Minuten dauert der Spaziergang von der Apostelkapelle dorthin. Der Gemeindepfarrer glaubt, dass manches Gemeindemitglied stattdessen den Gottesdienst in der Mutterhauskirche des naheliegenden Diakonissenhauses aufsuchen wird. „In Kassel wählen die Menschen, wo sie sonntags hingehen“, sagt Köstner-Norbisrath.
Während die Gemeinde der Kasseler Friedenskirche zwei Kirchen zur Auswahl hat, treten viele Kirchengemeinden auf den Land den Weg ins Gemeindehaus an. „Bis Sylvester feiern wir in der Hugenotten- und Waldenserkirche und im neuen Jahr gehen wir ins Gemeindehaus“, sagt Pfarrer Reinhard Runzheimer zur Situation in Mariendorf. Knapp 300 evangelische Christen leben in dem Ort am Rande des Reinhardswaldes nördlich von Kassel. „40 bis 50 Euro kostet uns jedes Mal das Heizen der Kirche“, schätzt Pfarrer Runzheimer. In der Adventszeit sind die Gottesdienste noch gut besucht, deshalb findet der Wechsel erst danach statt. Mit dem Vorstellungsgottesdienst für die Konfirmanden Mitte März geht es zurück ins Gotteshaus. „Da ist einfach nicht genug Platz“, so Runzheimer.
Die Winterkirche im Gemeindehaus gibt es schon seit Jahrzehnten. „Es ist eine andere Intimität“, sagt Pfarrer Runzheimer. Die Menschen sitzten dicht zusammen. Die zehn bis zwanzig Besucher begrüßen einander per Handschlag und der Pfarrer steht keine zwei Meter von der Gemeinde entfernt. Eine kleine elektrische Orgel sorgt für Musik, die Metallziffern für die Liedanschlägen werden ebenso aus der Kirche mitgenommen wie die Liederbücher. Das Konzept hat sich bewährt.
Karsten Leonhäuser

Kommentar schreiben

Mein Probe-Abo

Schenken Sie sich gratis zwei Wochen lang zum Kennenlernen das Kasseler Sonntagsblatt.

Jetzt anfordern



Geschichten aus Kleindottersdorf

Das neue Buch von Reinhard Heubner

Jetzt bestellen



Leserreisen

Aktuelle Prospekte 2012

Jetzt anfordern