Rechtsradikalismus

08.12.2011 - 0 Kommentare

Ich kenne einen Zwanzigjährigen. Jetzt erzählte er in einer Runde von der rechtsradikalen Szene in seiner ländlichen Gegend: böse Blicke, Stiefeltritte, Angst und Schrecken verbreiten die bedrohlich gekleideten, meist jungen Männer. In den Nahverkehrszügen spielen sie sich als Herrscher auf, lassen ihre gewaltausstrahlende Grölmusik erschallen, bis alle Bürger sich in andere Wagen verzogen haben.
Wer bleibt, wird angepöbelt, bis er auch geht, vielleicht erst noch zum Stolpern gebracht. Manchmal versuchen sie einen militärisch zackigen Eindruck zu machen, marschieren dann durchs Dorf zum Gasthaus. Die jungen Männer sind vielfach arbeitslos, viele mit abgebrochener Schulzeit, meist aus kaputten Familien, wo auch die Gewalt herrscht und man ungern Fremde reinkommen lässt. So ist die Straße das Zuhause dieser Jugend, sie bauen ihre Ersatzfamilie mit strenger Hierarchie; die vereinzelten Mädchen bieten ein wichtiges Forum für die Konkurrenzkämpfe.
Alle nicht zur Gruppe Gehörenden sind die feindliche Umwelt, Menschen mit anderer Hautfarbe und Religion ziehen den meisten Hass auf sich. Man klammert sich an Parolen, die ein deutsches Volk preisen mit fragwürdigen Tugenden wie Stolz oder Treue. Sie zeigen Nazi-Embleme und haben Hitlerbilder bei sich; dieser Mörder ist ihnen Vorbild für die Gewalt gegen alles Schöne, Gute, Fremdartige.
Was diese rechte Szene speist, ist das mangelnde Angebot an Bildung, Lehrstellen, an Kultur, an Kirche. Keine Bildung bedeutet keine Arbeit, keine Anerkennung. Das Gefühl prägt tief. Darum setzen sie auf Gewalt: wenn nicht geliebt, dann wenigstens gefürchtet sein.
Die Gründe für die Gewaltanbetung liegen oft in der Gewalt, die sie selbst erlitten haben, allermeist in ihrer Kindheit und in der Erfahrung von Gewalt durch die Gesellschaft in Form von Ablehnung und Interesselosigkeit. In ihrer Ohnmacht suchen sie Ohnmächtige, denen sie das Gesicht zerschlagen können, um sich stark zu fühlen; sie stürzen Behinderte in ihrem Rollstuhl um, weil sie eine solche Angst haben vor Schwäche und Krankheit. Sie ermorden Obdachlose oder türkische Mitbürger, weil sie fürchten, selbst mal ausgestoßen zu sein von allen, und vollziehen vorauseilend das Gericht über sich selbst an ihnen.
Dabei fühlen sie sich noch im Recht, wenn sie alles Fremde vertreiben. Tatsächlich lehnen ein Drittel der Deutschen die Zuwanderung von ausländischen Menschen ab. Auch judenfeindliche Witze sind wieder „in“. Ich kann und will das nicht ertragen.  
Dabei haben die Rechtsradikalen, die Ausländern Angst einjagen und sie verjagen, unverbesserliche Sympathisanten tief im bürgerlichen Lager. Es ist das braune nationalsozialistische Gift der Gewalt, der Lust, andere Menschen zu beherrschen, sie zu schinden, ihr Gewissen zu regieren, ihre Angst kommen und gehen lassen zu können, bis hin zum millionenfachen Mord, wie geschehen an Millionen jüdischer Mitbürger.
So leben die Rechtsterroristen in dem Wahn, sie wären berufen als Ordnungskräfte im Dienst höherer Mächte, sei es ein wiedererstandener Hitler oder eingestürzter Engel.
Es gibt Hilfe: einmal unser konsequentes Eintreten gegen Rechts und dann IKARus, ein Programm zum Ausstieg. www.ikarus-hessen.de – oder Telefon: 0611-835757.

Reinhard Heubner

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