Unabhängig, aber engagiert! Eine Bilanz des Kasseler Sonntagsblattes
An diesem Sonntag und Montag habe ich Konvent. Da kommen die Kasseler Pfarrer zum Kasseler Sonntagsblatt und ich lege Rechenschaft ab, was ich als Pfarrer und Chefredakteur eigentlich mache.
Eigentlich wollte ich kurz vor meinem Ruhestand im nächsten Jahr auf das Privileg eines Konvents verzichten. Der macht schon viel Arbeit. Doch dann sah ich für mich die Chance, mal Bilanz zu ziehen. Was habe ich vorgefunden und was hat sich verändert bei der Kirchenzeitung. Unsere Kirchenzeitung gehört zur Familie von vierzehn evangelischen regionalen Kirchenzeitungen. Da gibt es das „Bayerische Sonntagsblatt“, „Unsere Kirche“ in Westfalen, „Glaube und Heimat“ in Thüringen oder die „Evangelische Sonntagszeitung“ in Südhessen. Jede Zeitung erscheint wie das Kasseler Sonntagsblatt wöchentlich in verschieden hoher Auflage.
Alle Kirchenzeitungen sind keine Gratis-Verteilblätter. Wir müssen uns auf dem Markt behaupten. Da gilt es zu werben, zu werben und nochmal zu werben. Denn während die kirchlichen Mitgliederpublikationen wie „Chrismon“, „Blick in die Kirche“ in Kurhessen-Waldeck oder „Echt“ in Frankfurt auf Kosten der Kirche herausgegeben werden, andere Kirchenzeitungen mit hoher finanzieller Subvention arbeiten können, ist das Kasseler Sonntagsblatt dank wirtschaftlich ausgewogener Planung finanziell auf der positiven Seite, ohne Subventionen.
Die Kirchenzeitung verfügt über eine bei anderen Medien unerreichte Leser-Blatt-Bindung. Man blättert nicht nur durch und liest die Überschriften, wie in der Tageszeitung, sondern viele lesen das Sonntagsblatt von vorne bis hinten durch. Auch wenn manchem das Rätsel wieder zu schwer war.
Dankbar bin ich, dass das Sonntagsblatt oder der Sonntagsbote, wie viele die Zeitung auch nennen, in vielen Familien seit Generationen gelesen und gehalten wird. Dazu ein großes „Hoch“ auf die Austrägerinnen und Austräger. Sie gehen seit Jahren und Jahrzehnten von Haus zu Haus, behielten den Mut, auch wenn es weniger Zeitungen wurden.
Und was bringt das KS?
Als erstes natürlich die christliche Botschaft in verständlicher Sprache. Wer weiß denn heute noch, wer Jesus, Mose oder Maria und Josef sind. Klar, Sie wissen es, aber Ihr Enkel? Dann gibt es im Sonntagsblatt Lebenshilfe und Beratung. Also, was bedeutet Glaube für die Menschen heute. Hier wollen wir Mut und Hoffnung geben.
Dazu vertreten wir eine bewusst evangelische Haltung.
Am wichtigsten ist aber unsere Chronistenpflicht. Wir berichten und kommentieren, wie und wo sich christliches Leben in der Landeskirche, den Kirchenkreisen, den Gemeinden und der Welt widerspiegelt.
Nicht zu vergessen die Seelsorge. Ich werde angerufen und gefragt zu persönlichen Nöten oder zu Problemen in der Gemeinde. Da ist es gut, wenn der Chefredakteur ein Pfarrer ist.
Und der Pfarrer ist die Brücke zwischen der Kirchenzeitung im Verlag „Kasseler Sonntagsblatt“ und der Landeskirche. Unabhängig, aber engagiert.
Reinhard Heubner


