Schulden haben wir alle
Griechenland ist pleite. Amerika hat Schulden, wie ein Major und Deutschland? Mindestens wie ein General. Schulden erlassen, neu anfangen, geht das überhaupt? Vielleicht.
Meist geht es bei Schulden gnadenlos zu. Da gilt nicht Gnade vor Recht. Es muss zurückgezahlt werden! Manch Häuschen wurde so zum Opfer der Bank. Weil die Arbeit wegfiel, man sich übernommen hatte...
Zuwenig Umsatz und du bist weg vom Fenster. Zuwenig Quote und die Sprecherin ist ins Nachmittagsprogramm verbannt. Zu viele Fahrfehler und du bist den Führerschein los.
Geht es anders? Wo die Liebe lebt, da herrscht ein anderes System, sagt man. Machen wir die Probe. Wie freuten wir uns als Kinder, wenn die Großen, die Eltern, auch Fehler machten, wenn Mutter was hinfiel oder Vater kleckerte. Dann waren sie uns ähnlicher, wir konnten zusammen lachen und hatten einen nächsten Schaden frei.
Warum hängen Eltern gerade so sehr an ihren schwierigen Kindern? Weil die gerade nicht pflegeleicht sind, beschäftigen sie mehr, machen Mühe, fordern noch mehr Verstehen. Und mobilisieren deshalb mehr Zuneigekraft. Sie fordern uns viel Geduld ab und schaffen in uns ein Depot an mehr Liebe.
Ein Freund, der uns ein Auto verkauft hat, verschwieg einen Schaden, auch weil er hoffte, die Ungenauigkeit sei weggewischt. Dann entdeckten wir die Schweißnaht, sagen es ihm. Er gibt zu, dass es mies war und rückt den überzahlten Schein heraus – lädt zum Essen ein – und wir gehen lachend darauf ein: bauen Vertrauen neu.
Es gibt Leute, die meinen, sie ließen sich nie was zu Schulden kommen, seien immer schuldlos und korrekt. Das sind Leute, die haben wenig Freude und keine Freunde. Wie soll man ihnen auch je etwas Recht machen. Das ist vergebliche Liebesmüh.
Und in der Liebe miteinander? Dafür braucht es viel Mut, denn es kann schief gehen. Nur mit dem Wissen, der Erfahrung fange ich doch nicht an, sondern mit Mut zur Liebe.
Ist das nicht die Stärke der Liebe, dass beide Sorge umeinander haben. Und einer dem andern hilft, sein eigenes Leben zu wahren und er Schutz gewährt, damit sie auf die ihr gemäße Art sie selbst sein kann.
Es braucht ja nicht gleich so viel Mitfühlen zu sein, wie dem römischen Kaiser Marc Aurel nachgesagt wird, der sogar noch die Liebhaber seiner Frau zu höchsten Ehren gebracht hat.
Jesus erzählt dazu eine Geschichte: Zwei hatten Schulden beim König, der eine viel, der andere sehr viel. Beiden erließ er die Schulden. Wer liebt den König mehr? Doch der, der mehr Schuld erlassen bekam. Also: Wem viel vergeben wird, der liebt auch viel.
Leb dein Leben, gib dich hin, tu Gutes und tu auch dein Quantum Schuld. „Sündige tapfer, aber glaub noch tapferer“ (Luther) an die Liebe, an Gott, an dein Gehaltensein von guten Mächten. So erfährst du viel Kraft und kannst gut rücksichtsvoll sein. Und wenn du Vergebung, sprich Schuldenerlass, brauchst und findest, wirst du bestimmt noch großzügiger.
Wie das bei Banken, Ländern geht, weiß ich leider nicht.
Reinhard Heubner


