Eben in - jetzt out!

26.03.2010 - 0 Kommentare

Gestern „hui", heute „pfui". Gestern „Hosianna!", heute „Kreuzigt ihn!". Es ist ein beliebtes Spiel. Nach jedem Spieltag der Fußballbundesliga wird es aufgeführt. Was haben die Fans von Hertha BSC mit ihrer Mannschaft gezittert, gehofft und geschrien. Alles vergebens. Einige sind ausgerastet und haben aus Wut und Enttäuschung die Helden von eben mit Randale gestraft.

Dieses Wechselspiel findet nicht nur im Fußball statt, sondern in allen Bereichen. Vor allem in der Unterhaltungsindustrie, aber auch in der Politik. Beide Branchen werden einander ja immer ähnlicher. Popularität wird gesucht und häufig gefunden. Der Preis ist hoch. Das musste gerade Minister Westerwelle bitter erfahren. Es braucht nur eine leise Wendung des Geschicks, und schon ist man bei vielen unten durch.

Wer im Showgeschäft seine Liebste, die einzige hoffentlich, der Presse vorführt, darf sich nicht wundern, wenn auch die Scheidung und der Rosenkrieg eine fette Schlagzeile wert sind. Es ist schon gruselig, wie aus Verehrung in Sekundenschnelle und ohne inhaltliche Gründe Verachtung werden kann.

Die haßerfüllte Häme über Prominente geht häufig über jedes Maß. Aber das Publikum genießt dieses Spiel. Es verlangt nach Gestalten, die sich anhimmeln lassen. Und es freut sich darüber, wenn Stars aus höchster Höhe neben einem in den Staub stürzen. So funktionieren Massenstimmungen. Nur Massen – sind wir selbst.

Für dieses Wechselspiel gibt es ein Urbild. Als Jesus am Sonntag vor Ostern nach Jerusalem einzog, begrüßten ihn die Massen frenetisch. Einheimische und Pilger fieberten ihm entgegen. „Hosianna!", riefen sie ihm zu. Und: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!" Nach einem Messias hatten sie sich gesehnt. Nach einem, der endlich das Königreich Israels wieder aufrichtete und zu alter Größe brächte, strahlend in majestätischen Königsglanz.

Als Jesus am Palmsonntag auf einem Esel angeritten kam, breiteten sie ihre Kleider vor ihm aus, hieben Palmzweige ab und legten sie vor ihm aus – Vorläufer des roten Teppichs.

Aber Jesus war anders. Er wollte weder diese Popularität noch hat er sie genossen. Diese falschen Hoffnungen nach Glanz und Gloria musste er enttäuschen. Und in der Tat, schon am Freitag darauf hatten die Massen sich gegen ihn gewandt. Jetzt wurde aus „Hosianna" ein „Kreuzigt ihn!".

Jesus ging seinen Weg, allein, mit viel Angst und Hoffnung auf Gott, seinen Vater. Er wird‘s schon wissen. Er glaubte daran, dass er durch das Kreuz in ein neues Leben gehen würde.

Diesen Gang gehen Christen in unseren Gemeinden und auf der ganzen Welt in dieser Karwoche nach: den Weg vom begeisterten Empfang Jesu am Palmsonntag zum letzten Abendmahl mit seinen Jüngern am Gründonnerstag bis hin zu seinem Kreuzestod am Karfreitag – und dann zur strahlenden Wende am Ostersonntag.

R. Heubner

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