
Nach der Flutwelle bleiben die Probleme
Längst ist die Berf in ihr einst so liebliches Bett zurückgekehrt. Nur mit der Lieblichkeit ist es an einigen Stellen nicht mehr so weit her: Die Uferbefestigungen sind zum Teil weggerissen und in und am Bach liegt noch jede Menge Unrat – Dinge, die den Menschen entlang der Berf mal etwas bedeutet haben.
Erst schien es der lang ersehnte Regen zu sein, der sich am Berfaer Kirmes-sonntag, dieses Jahr der 5. Juni, nachmittags auf das Land legte. In Wahrheit war es jedoch eine kleine, aber gefährlich aufgeladene Gewitterzelle die am Rimberg hängen blieb und sich so über zwei Stunden an den Hängen abregnete und auch Hagel herunterließ. Bis zu 140 Liter auf dem Quadratmeter wurden an manchen Stellen gemessen. Viel zu viel in zu kurzer Zeit auf knochentrockenen Böden, in denen kaum etwas versickern konnte. So baute sich eine Flutwelle auf, die alles mitriss, was nicht niet- und nagelfest war. Hänge kamen ins Rutschen, Brücken wurden fortgespült, Autos mitgerissen. Eine Frau, die sich in Berfa zunächst noch auf den Sockel einer Straßenlaterne gerettet und an ihr festgehalten hatte, musste irgendwann vor den eiskalten Fluten kapitulieren. Nach mehr als 600 Metern wildem Treiben durch das tosende Gewässer, wurde sie an einen Gartenzaun gespült, unterkühlt und entkräftet konnte sie von den Anwohnern noch gerade so gerettet werden.
Weit mehr als hundert Gebäude im Bereich der Stadt Alsfeld wurden durch das Wasser beschädigt, allein in Berfa sind es fast 80. Der Ort wurde besonders hart getroffen, da er in einem eng eingeschnittenen Tal liegt und das Wasser hier von mehreren Seiten und mit hohen Geschwindigkeiten zusammenfloss.
Eine selten erlebte Solidarität machte sich im Anschluss an das Wasser in den Dörfern breit. Jeder, der nur irgendwie konnte, packte mit an. Eine junge Frau hatte Tränen der Wut in den Augen, weil ihre Chefin am Tag nach der Katastrophe darauf bestand, dass sie zur Arbeit kommt.
Mittlerweile sind die ärgsten Spuren beseitigt. Aber für viele Menschen ist das Chaos zum Alltag geworden. Komplette Hausstände wurden zerstört – nicht nur ein materieller Verlust, auch viele Erinnerungen sind unwiederbringlich verloren. In einigen Häusern wurden schwere Verwüstungen angerichtet – insbesondere dort, wo die Gebäude in Fachwerkbauweise errichtet sind.
Die Stromzähler laufen auf Hochtouren, weil Bautrockner in den Kellern stehen. Eine Elementarschadenversicherung haben die wenigsten – für einige geht es um die nackte wirtschaftliche Existenz. Getragen fühlen sich die Menschen durch die Hilfsbereitschaft, die sie erlebt haben und wenn nötig auch erleben. Am Ende des Tages wird aber nur Geld die schlimmsten Schäden heilen können.
Spenden können unter dem Stichwort „Hochwasser im Berftal“ auf das Konto des Kirchenkreisamtes Ziegenhain eingezahlt werden: EKK, Konto-Nr. 3500101, BLZ 520 604 10
Pfarrer Sven Wollert, Berfa


