Leserbrief zum Interview mit Präses Nikolaus Schneider in Ausgabe 16

04.05.2011 - 0 Kommentare

Nach längerem Nachdenken habe ich noch einmal das Interview mit Präses  Nikolaus Schneider durchgelesen, das in der Nr. 16/17. April 2011 abgedruckt wurde. In einem Leserbrief möchte ich dazu – etwas verspätet – Stellung nehmen.

Grundsätzlich kann ich den meisten  Ausführungen von Präses Schneider zustimmen. Zu einigen Aussagen möchte ich jedoch  einige Anmerkungen machen:

1. Schneiders Aussagen sind durchweg theologisch richtig. Allerdings frage ich mich, wie kann der „einfache“ Christ das umsetzen und welche Konsequenz hat es für sein Glaubensleben? Ganz dicht ist er bei der christlichen Lebenswirklichkeit, als er am Schluss seine leidvolle und doch tröstliche Erfahrung bei dem Tod seiner Tochter beschreibt.

2.  Schneider schreibt: „Wir erleben hier  aber einen angefochtenen Jesus , der darum bangt, ob Gott bei ihm bleiben wird“ und: „Aber am Kreuz ist Jesus auch mit Gott verbunden“. Das ist sicher richtig.  Aber ist das alles?  Er zitiert aus dem Gebet Jesu : „nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Jesus akzeptiert offensichtlich dieses schreckliche Leiden und Sterben als Gottes Wille. Das ist sicher mehr, als der Wunsch Jesu, dass er am Kreuz mit Gott verbunden bleibt.

3.  In den Aussagen von Präses Schneider kommt das nicht mehr vor, was  zentrale Aussage der Kreuzestheologie im Neuen Testament und in zweitausend Jahren Theologie und Verkündigung war:  Jesus starb für die Menschen! Jesus selbst hat seinen Tod so gedeutet: „..und gebe sein Leben  als Lösegeld für viele,“ (Matth.20,28).  Das Abendmahl deutet er  als „…Blut des Neuen Bundes zur Vergebung der Sünden, … das für euch vergossen wird,“ (Matth. 26,28 und Lukas 22,20). An vielen Stellen des NT lesen wir diese Deutung des Kreuzestodes Jesu: (Kolosser 1,20) „…er durch ihn alles mit sich versöhnte …durch sein Blut am Kreuz“ und viele andere  Stellen. Gilt das alles nicht mehr? Wurde diese „Frohe Botschaft“ aufgegeben? So bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: „Warum ist für Christen das Kreuz Jesu Christi unverzichtbar?“

4. Nicht zustimmen kann ich den beiden Aussagen: „Weil Gott seinen Sohn nicht dem Tod überließ, sondern ihn von den Toten auferweckte, bekommen alle Menschen Anteil am Heil. „ Wirklich alle, und so ohne weiteres?  Und: „Jesus  ist durch den Tod hindurch … zur Auferstehung gegangen. …. Jesus wirbt dadurch dafür, dass wir  uns auf diesen Weg einlassen.“ Da bleibt nur noch Jesus als Vorbild.  Das ist mir zu wenig!

Herbert Peter, Driedorf

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