Leserbrief zu "Die Schule bleibt zu Hause"

15.04.2011 - 0 Kommentare

Mich hat allerdings der Artikel von Frau Gutsch in der Nr. 15 sehr aufgeregt und ich habe mir zunächst eine Woche Atempause verordnet, ehe ich antworte. Aber dieser Artikel darf nicht ohne Reaktion bleiben. Deshalb bitte ich um Veröffentlichung meiner nachstehend dargelegten Gedanken:

 

Die Schule bleibt zu Hause

 

Zwei ganze Seiten über eine Familie, für die die Missachtung geltender Gesetze selbstverständlich ist, die dafür noch gelobt und als Beispiel hingestellt werden? Ich bin als ehemaliger Staatsanwalt und Richter, aber auch als Christ, einigermaßen entsetzt, in welch unkritischer Weise Britta Gutsch über den permanenten Rechtsbruch  dieser Familie berichtet. Gilt denn in diesem Land ein Gesetz nichts mehr? Frau Gutsch zitiert die Auffassung der Familie über die Schule: „Dort herrscht das Recht des Stärkeren, das steht im totalen Kontrast zu unserer Auffassung!“  Welches Recht vertritt Familie Dudek? Das des Überheblichen, des Selbstgerechten? Mich erinnert das Verhalten an den Anfang des vorigen Jahrhunderts, als es einige wenige gab, die meinten, ihre Kinder müssten nicht zur allgemeinen (Volks-)schule und sie zu Hause unterrichteten. Das waren dann die Feudalherren. Genau so verhalten sich Dudeks. Beide lebten und leben vom Geld der arbeitenden Bevölkerung, denn das Kindergeld fällt ja nicht vom Himmel, das bringen Sie und ich und alle anderen Leser des Sonntagsblatts mit unseren Steuergeldern auf .Es regt mich auf, dass dann einer behauptet, er wolle ja nichts vom Staat. Mich erinnert die Einstellung an das Verhalten einer bestimmten Sekte, deren Mitglieder sich auch für die besseren Menschen halten.

Mit christlichem Glauben hat das auch nichts zu tun. Ich denke, jeder Leser kennt Kapitel 13 des Römerbriefes. Oder will uns Frau Gutsch einreden, das sei ein legitimer Widerstand gegen die Obrigkeit? Darauf hätte ich gerne eine Antwort.

Besonders infam und ein Schlag in das Gesicht aller gesetzestreuen Eltern ist dann der Schluss dieser Reportage, Frau Gutsch. Nicht nur meine Eltern haben für die Bildung ihrer drei Söhne viel an Zeit, Mühe und eigenem Geld auf sich genommen und sich „krumm gelegt“, das machen nach wie vor Millionen Eltern in Deutschland. Viele schuften regelrecht, damit die Kinder „etwas werden“, verzichten auf Urlaub, auf Freizeit nach einem harten Arbeitstag ,weil sie dann noch mit ihren Kindern lernen – ich sehe das bei meinen Kindern und Enkeln - und verhalten sich gesetzestreu, zahlen Steuern und Abgaben, auch für Dudeks.

Und was machen Dudeks? Sie säen nicht, aber sie leben von den Früchten anderer und missachten das Gesetz. Ich hoffe nicht, dass das Sonntagsblatt noch weitere Beispiel über angeblich christlich motivierten Rechtsbruch  bringt.

Alfred Hartenbach, Immenhausen

 

 

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