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"Wie Maria wollte ich werden und wurde Marta"

01.09.2010 - 0 Kommentare

In einem festlichen Gottesdienst wurde in der Bad Hersfelder Stadtkirche Pfarrerin Sabine Kropf-Brandau als Pröpstin durch Bischof Dr. Martin Hein eingeführt. Während es vor der Kirche wolkenbruchartig schüttete, ging in der alten Stadtkirche musikalisch die Sonne auf. Die „Morgenstimmung" von Edvard Grieg, interpretiert durch ein Saxophonensemble umwehte Gemeinde und die einziehenden Liturgen. Das „Höchsterwünschte Freudenfest" konnte beginnen. So nannte Johann Sebastian Bach die Kantate, aus der die Hersfelder Kantorei unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Martin Bartsch um den Heiligen Geist bat.

Es war ein schöner Gottesdienst! Es gab ansprechende Musik, nette Menschen und zwei richtig gute Predigten. Kurz, bündig, mit Tiefgang.

 

„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein"

„Es war vor 31 Jahren, dass Ihnen, liebe Schwester Kropf-Brandau, diese biblische Verheißung bei Ihrer Konfirmation im Hersfelder Stadtteil Petersberg zugesagt wurde", berichtete Bischof Hein in der Einführungspredigt. Nur, Worte der Bibel brauchen ihre Zeit, bis sie sich für unser Leben entschlüsseln. Sie wollen erprobt und gewagt werden, so Hein.

„1964 wurden Sie, liebe Schwester Kropf-Brandau, in Sorga geboren. Früh haben Sie Ihren Vater verloren. Das hat Sie schon als kleines Kind erleben lassen, welche bitteren Seiten es im Leben gibt. Ihr Abitur legten Sie dann an der Modellschule Obersberg ab. Für die meisten hier in der Stadtkirche sind das alles höchst vertraute Namen. Und das heißt zunächst einmal: Sie kennen sich hier aus!

Dann ging es zum Studium nach Wuppertal und Göttingen, später ins Vikariat nach Vellmar. Da waren Sie bereits mit Ihrem Mann verheiratet, der ebenfalls aus der nächsten Nähe von Bad Hersfeld stammt. Für Sie beide bedeutet – zusammen mit Ihren drei Kindern – nach der guten Gemeindezeit in Obervellmar der Aufbruch in den Sprengel Hersfeld auch in gewisser Hinsicht eine Rückkehr. Aber niemand steigt zweimal in denselben Fluss, und deshalb werden Sie in der alten Heimat viel Veränderung, viel Neues und Unbekanntes entdecken ...

Jetzt aber wartet das Propst-amt auf Sie – und damit ein Sprengel, der von Gilserberg am Fuß des Kellerwaldes bis nach Oberschönau mitten im Thüringer Wald reicht und ebenso den Speckgürtel Kassels berührt wie große Teile des ehemaligen Zonenrandgebietes umfasst.

Hier werden Sie einerseits die Kirchenleitung „in Person" sein, andererseits aber die Stimme dieser vielfältigen Region in den kirchenleitenden Gremien verkörpern. Es ist eine wunderbare Aufgabe, die vor Ihnen liegt, und es sind viele Gemeinden und Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit Ihrem Dienst rechnen. Hören und beraten, darin besteht die Kunst der Leitung im Propstamt. Wir sind alle überzeugt: Das können Sie!

Ich will dich segnen, sagt Gott heute, und du sollst ein Segen sein. Vielleicht wäre es sogar klarer, würden wir sagen: Du kannst, du darfst ein Segen sein! Denn Gottes Segen, so ist die Erfahrung des Glaubens, geht ungezwungen durch uns hindurch. Was uns gilt, kommt stets auch anderen zugute. Amen."

Nach der Einführung als Pröps-
tin blieb ein kurzer vertrauter Blick zum Ehemann und den Kindern dann stieg Pröpstin Sabine Kropf Brandau hinaus auf die Kanzel zur Predigt.

 

Bin ich Maria oder Marta?

Ernst schaute sie von der Kanzel und erzählte von Maria und Marta. Marta schafft, um Jesus ein gutes Essen zu kredenzen, Maria genießt den Besuch und hört einfach Jesus beim Erzählen zu. Marta beschwert sich. Da sagt doch Jesus tatsächlich, sie soll sich nicht so viel Mühe machen. Maria habe es richtig gemacht. Da kam Jesus bei der Pröpstin an die Richtige. Früher wollte sie schon sein wie Maria, andächtig den Worten Jesu lauschen. Doch dann holte sie der Pfarreralltag ein – Beruf Haushalt, Ehemann, Kinder, da wurde man ganz schnell zur Marta. „Ich hätte mir von Jesus schon ein lobendes Wort für Marta gewünscht, ein Danke schön fürs gute Essen. Aber Männer nehmen so was halt als selbstverständlich."

Viele in der Kirche haben die Marta-Rolle. Sie schaffen und schuften als Ehrenamtliche und brauchen dann nicht noch Kritik, sondern Anerkennung!

Beides ist in uns, beides brauchen wir, meinte die Pröpstin, die betende, Kraft tankende Maria und die handelnde Marta. Alles an seinem Ort und zu seiner Zeit.

„Ich wünsche uns allen, dass wir beide dieser Seiten leben können und dürfen", so Sabine Kropf-Brandau. Und jeder und jede muss selbst schauen, welche Seite bei ihm ausgeprägter ist als die andere und gerade diese andere dann besonders pflegen. Dazu müssen wir uns auch gegenseitig helfen und uns dazu ermutigen.

„Marta, Marta du hast viel Sorge und Mühe" – stimmt, aber heute, heute ist mein Maria-Tag. Mit 46 Jahren hat man auch noch Träume. Amen."

Dazu sang der Chor mit schönen Stimmen in renovierter Emporenumgebung: „Sprich Ja zu meinen Taten, hilf selbst das Beste raten, den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende."

Reinhard Heubner

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