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Die Burg bedeutet für die ganze Familie ein Stück Heimat

01.09.2010 - 0 Kommentare

Seit 475 Jahren residiert das Geschlecht derer von Buttlar in Elberberg. So geschwollen würde Alix von Buttlar, passionierte Landwirtin in Elbenberg, das nie sagen. „Warum reden Sie immer von Elberberg, wo das Dorf doch Elbenberg heißt", frage ich gleich am Anfang unseres Treffens auf ihrem Gutshof. „Der Burgberg und die Höfe neben uns sind der Elberberg. Das Dorf zur anderen Seite ist Elben. Daraus wurde bei der Gebietsreform Elbenberg. So einfach ist das. Für uns ist und bleibt es trotzdem Elberberg", klärt Alix von Buttlar mich auf.

Frau von Buttlar ist studierte Landwirtin und hat gerade einige Dielen abgeschliffen. „Schaun Sie nur, wie die wieder hell glänzen!" Trotzdem, heute morgen interessiert sie nur, dass das Getreide trocken in die Scheune kommt. Unruhig wegen des Wetters steht sie auf dem Balkon ihres Gutshauses und schaut auf die Wiesen, Felder und Wälder.

„Da unten am Ortsrand steht ein Kreuz", erzählt sie, „da haben sich ein Buttlar und ein Dalwigk einst im Mittelalter bekriegt. Nachdem der Dalwigk dem Buttlar ein Bein abgeschlagen hat, war Frieden. So war das."

Schloss und Gutshof können Geschichten erzählen. Ebenso wie die Hochzeitstruhe im Treppenhaus. „Als Jerome in Kassel herrschte, da verliebte sich einer seiner englischen Adelsherren in eine verheiratete von Buttlar, hier vom Berg", schmunzelt Alix von Buttlar. „Es gibt sogar einen innigen Briefwechsel dieser Liebesbeziehung. Sie ist dann mit dem Mann durchgebrannt, außer Landes, heißt es. Alles Geschichten, die das Leben schrieb. Wenn ich hier durch die Räume des Hofes oder des Schlosses gehe, denke ich oft, was ist hier schon alles passiert.

 

Ich bin ja nicht die Patronin…

 

Ich bin ja nicht die Patronin. Das ist mein Vetter Horst. Er ist der Älteste von uns Buttlars. Aber ich bin die Einzige, die hier lebt und hier aufgewachsen ist. Die Anderen der großen Familie kommen quasi wie zu Besuch, sind gerne hier und fühlen sich in Elberberg auch wie zu Hause.

Doch ich bin hier zur Schule gegangen mit den Kindern aus dem Dorf. Damals war es für mich eher schwierig. Solange die Leute meinen Namen nicht kannten, war alles o.k., aber sobald sie hörten ,von Buttlar‘ wurde gleich gedacht, die wacht sicher schon morgens mit der Krone auf dem Kopf auf und muss reich, arrogant und Juwelen-besetzt sein. Dabei war alles ganz normal. Ich habe dann Abitur gemacht. Und nachdem ich Landwirtschaft studiert hatte, kam ich zurück in den Ort.

Und als junge Frau von 27 Jahren mit damals zwei Kindern übernahm ich den Hof. Dazu fuhr ich natürlich Trecker.

,Das kann die nie‘, haben die Landwirte aus dem Dorf gedacht. Ich erinnere mich noch genau an die erste Sitzung der Bauern und Waldbesitzer im Ort. Meine Mutter sagte zu mir: ,Iss vorher ordentlich fettig …‘ Dann bin ich mit Herzklopfen dort hinunter gegangen zu den Elbschen Bauern. Dazu muss man wissen, dass die Elbschen Bauern immer freie Bauern gewesen waren. Bei der Sitzung kannte ich wirklich alle noch aus der Kinderzeit. Dann sagte jemand zu mir: ,Frau von Buttlar, wie sehen sie denn dies und das‘, und ich sagte nur: ,Ich bin Alix, und das würde ich bitte auch gern bleiben.‘ Anschließend haben wir bis nachts um 2 Uhr gefeiert. Und sie merkten, die kann das ja.

Mein Vater war eher wie ich. Er war hier aufgewachsen, ist hier zur Schule gegangen und hat sich mit allen geduzt. Also er war der Fritz und das war der Willi. Manch andere der Familie hier kennen die Zusammenhänge natürlich nicht so.

In meiner Kindheit hingen hier auf dem Burg- und Gutsgelände die Fensterläden auf halb acht. Heute ist die Burg wunderschön gepflegt und renoviert. Das liegt an dem guten Familienverbund. Allen liegt die Burg am Herzen. Sie bedeutet ein Stück Heimat.

Wir werden oft gefragt, woher es kommt, dass wir uns alle so gut verstehen. Wir haben als Kinder immer unsere ganzen Ferien hier zusammen verbracht. Ich weiß noch, wie zwei meiner Vettern, der eine ist jetzt 60, der andere 50, als Kinder in der Mittagsschlafenszeit das Luftgewehr des Vaters aus dem Schrank geklaut haben. Die beiden haben sich an den Zaun der Bullenweide meines Vaters gelegt und haben auf die Hoden des Zuchtbullen geschossen. Natürlich haben sie mächtigen Ärger bekommen. Oder sie haben dicke Zigarren auf dem Heuboden geraucht. Da gab es richtig Druck, aber das verbindet natürlich auch. Niemand von uns käme auf die Idee, etwas aufzugeben, das man liebt.

 

... und die Liebe zur Kirche?

 

Meine Mutter war im katholischen Bayern als Flüchtlingskind aufgewachsen. Ich wuchs also auf mit Gebeten am Morgen, beim Essen und abends. Das ist selbstverständlich. Ich habe meine drei Kinder genauso erzogen. In der Kirche hier im Dorf wurde ich getauft. Hier habe ich geheiratet. Dann, als meine Mutter aus dem Kirchenvorstand ausschied aus Altersgründen, hieß es, einer aus der Familie sollte im Kirchenvorstand sein. Da habe ich schon überlegt, weil ja noch so viel anderes zu tun ist. Aber ich bin heute gerne im Kirchenvorstand. Es ist eine gute Gemeinschaft und es macht Freude.

Jetzt haben wir erst mal unser Familienjubiläum und freuen uns auf den Gottesdienst und das Zusammensein der ganzen Familie.

Hoffentlich ist das Getreide bis da trocken und geerntet."

Reinhard Heubner

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