Liebe Leserinnen, liebe Leser!

01.09.2010 - 0 Kommentare

Wenn man den Meldungen Glauben schenken kann, kostet der militärische Einsatz im Irak und in Afghanistan täglich rund 3 Milliarden Dollar. Manche sprechen sogar von bis zu 9 Milliarden. Jetzt werden Millionen Spendengelder gesucht für die Hilfe in Pakistan. Da wage ich die Frage zu stellen, was könnte man mit 3 Milliarden Dollar am Tag für die Lösung von Katastrophen tun, was für die Befriedung der Menschen? Jetzt kämpfen Millionen Menschen in Pakistan ums nackte Leben. Dazu kommen, so ein Bericht im Hessischen Rundfunk, noch ganz andere Konflikte. Sie sind religiöser Natur. Das heißt, wer nicht Muslim ist, hat in der Katastrophe noch weniger Überlebenschancen.

Der Pakistani Asi hat Glück gehabt. Als die Flut sein Land überschwemmte, war er in Deutschland. Er ist erschüttert über das, was er aus der Heimat hört und sieht. Und die Flut, sagt er, verschärft noch viele Probleme im Land. Denn, wenn die Regierung den Flutopfern überhaupt hilft, dann kommen Christen und andere religiöse Minderheiten zuallerletzt dran.

Emmanuel Asi ist katholischer Priester in Pakistan. Neben Hindus gehören Christen zur größten religiösen Minderheit in Pakistan. Der Islam ist Staatsreligion, 96 Prozent der Bevölkerung sind Moslems. Offiziell herrscht zwar Religionsfreiheit, doch praktisch werden Christen von der Regierung durch radikale Muslime massiv unterdrückt.

Asi hat das als Christ in Pakistan über Jahre hinweg erlebt. „Wir sind Bürger zweiter Klasse. Als Kind durfte ich die Wasserpumpe auf dem Schulhof nicht berühren, weil ich Christ bin. Niemand würde bei einem Christen Lebensmittel oder Kleidung kaufen. Und auch bei der Jobsuche wird man diskriminiert." Die Diskriminierung nimmt zunehmend radikale Formen an. Seit einigen Jahren gilt in Pakistan das so genannte „Blasphemiegesetz": Wer irgendetwas gegen den Koran oder den Propheten sagt, der kann der Blasphemie angeklagt werden – auf die Gefängnisstrafe und sogar der Tod stehen kann.

Durch dieses Blasphemiegesetz ist nun sämtlichen haltlosen Beschuldigungen eines missliebigen Nachbarn Tür und Tor geöffnet, auch wenn man nur an sein Geld oder an seinen Besitz dran will, man kann andere Leute schmähen und sie anklagen lassen. Da sind natürlich gerade die religiösen Minderheiten in einer ganz schlimmen Lage, indem sie eigentlich keine Fürsprecher haben.

Erst im Juli wurden zwei Christen der Blasphemie angeklagt. Das Gericht sprach sie frei, doch auf dem Weg nach Hause wurden sie von aufgebrachten Moslems erschossen. Szenen, die es immer wieder gibt, sagt Emmanuel Asi – einzelne Gruppen von Muslimen, die von radikalen Religionsführern aufgeheizt sind, gehen brutal gegen ihre christlichen oder hinduistischen Nachbarn vor.

Die Flutkatastrophe destabilisiert das Land nun weiter. Das ist eine neue Chance für radikale Muslime, verzweifelte Menschen für sich zu gewinnen: Wie etwa die Taliban im Norden des Landes, die mit gut organisierten Hilfseinsätzen vor Ort Flutopfer versorgen.

Mitte Oktober beginnt der Winter, die Kälte wird alles noch schlimmer machen. Aber nicht nur die Flutopfer brauchen dringend Unterstützung aus dem Ausland, sagt Emmanuel Asi: Ich appelliere an die deutsche Regierung und die EU, sich für eine Abschaffung des Blasphemiegesetzes einzusetzen – für die Menschenrechte! Unsere Regierung reagiert nur auf Druck von außen. Also warum nicht unsere Spenden mit diesem Anliegen verbinden!

Ihr Reinhard Heubner

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