
1300 Christen auf dem Pilgerweg nach Christes
Schmalkalden/Christes. „Pilger sind wir Menschen", singen die Christen, um Gott zu loben und zu preisen, seit Hunderten von Jahren in Thüringen. So auch am Sonntag, anlässlich des Pilgerweges 2010. Rund 1300 Menschen pilgerten fromm und fröhlich zur Wallfahrtskirche „Unserer Lieben Frauen" nach Christes. Immerhin, die Geschichte des Ortes geht zurück bis 833. Interessant wurde es 1425. Da schrieb man dem Ortsbrunnen (Christus-Born) heilende Wunder zu. Fortan gab es in Christes Wallfahrten. Und die brachten Wohlstand, denn schon im Jahre 1443 wurde die dreischiffige gotische Basilika „Unserer Lieben Frauen" errichtet. Heute dachten die Pilger weniger an heilende Möglichkeiten. Man freute sich mehr auf die Begegnung mit den Christen aus immerhin drei benachbarten Landeskirchen, nämlich Thüringen, Kurhessen-Waldeck und der Kirchenprovinz Sachsen. „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ...": Unter diesem Motto waren am Sonntagmorgen bei herrlichem Sonnenschein die Pilger aufgebrochen. Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen: aus Grumbach und Springstille, aus Metzels und Schwarza, aus Utendorf und Kühndorf. In kleinen und größeren Gruppen hatten sie sich aufgemacht, ganz in Familie oder auch allein, zu Fuß oder mit der Pferdekutsche. Die Pilger aus dem Kirchenkreis Schmalkalden starteten mit einer kurzen Andacht auf der Grumbacher Höhe. Vor dem kürzlich aufgestellten Holzkreuz erinnerten Dekan Michael Bedbur und Pfarrer Christoph Nordmeyer an die Tradition des Pilgerns. Als Zeichen ihrer Verbundenheit mit allen Christen flochten die Kurhessen-Waldecker ein Netz aus dunkelblauen Bändern, das sie bis nach Christes brachten. Mit den grünen, gelben, roten und grauen Netzen der anderen Pilgergruppen verknüpft entstand schließlich ein Ganzes, in das zum Abschlussgottesdienst Christus als weißer Faden eingewoben wurde. Auf der Christeser Höhe stieß nun der Bischof der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck, Dr. Martin Hein, zur großen Pilgerschar. Mit Glockengeläut und Posaunenklängen ging´s dann gemeinsam zur Wallfahrtskirche in Christes. Weil die kleine Kirche nicht alle Menschen fassen konnte, zog man andächtig hindurch, blieb für einen kurzen Moment stehen für ein stilles Gebet oder aus den Händen von Pfarrerin Silke Sauer einen Bibelspruch entgegenzunehmen. Auf dem Kirchhof feierte man dann einen „sonnigen" Abschlussgottesdienst. Pilgern, so betonte Bischof Martin Hein in seiner Predigt (Psalm 113), sei mehr als Wandern. Beim Pilgern seien die Menschen von Gott eingeladen für neue, überraschende Begegnungen. Manches Herz werde in Bewegung gesetzt, so dass es vom Lebensweg dann heißt wie beim Kämmerer aus der Apostelgeschichte: Er aber zog seiner Straße fröhlich. Susann Schönewald


