
Predigen hat seine Zeit
Hanau. Er sei zwar nicht auf einen anderen Kontinent gereist, aber sein Ruf nach Hanau sei schon ein großer Schritt in eine neue Aufgabe. So verglich Bernd Böttner in seiner Antritts-
predigt als neuer Propst des Sprengels Hanau den Umzug seiner Familie mit der Reise der ersten Christen nach Europa. „Es war kein Traum in der Nacht“, wie bei Paulus, „sondern der Anruf des Bischofs“, der den Dekan des Kirchenkreises des Eisenberg in das quirlige Rhein-Main-Gebiet lockte.
Am vergangenen Sonntag nun wurde Bernd Böttner durch Bischof Martin Hein in der Hanauer Marienkirche feierlich in das Amt des Propstes für den Sprengel Hanau und das Pfarramt der 2. Pfarrstelle an der Marienkirche eingeführt. Dem Bischof zur Seite standen dabei Dekan Fritz Eckhard Schmidt und der Leiter des Kirchenkreisamtes Hanau Peter Botte. Die Hanauer Kantorei unter Leitung von Christian Mause bereicherte den Gottesdienst musikalisch.
Bischof Martin Hein machte in seiner Einführungsansprache deutlich, dass es sich bei der neuen Aufgabe um ein bischöfliches Amt handele. „Aber der Propst ist nicht nur für kirchliche Geschicke zuständig, sondern tue vor allem auch Dienst am Evangelium und Dienst am Volk, auch an jene, die nicht in der Kirche sind.“ Der Sprengel Haus biete dafür vielgestaltige Aufgaben. So reichen die Grenzen des Sprengels weit über das großstädtische Gebiet in der Rhein-Main-Gegend hinaus in ländlich geprägte Kinzig-Tal oder das Gebiet der ehemaligen Reichsabtei Fulda. Es gebe hier viele Möglichkeiten der ökumenischen Begegnung. Ausdrücklich erwähnte Hein das Gespräch mit dem Judentum.
„Der kirchliche Dienst hier im Sprengel Hanau ist überaus spannend und abwechslungsreich“, ermunterte Hein den 54-jährigen Vater von vier Kindern. Und die Gemeinde bat er: „Nehmt ihn an als Propst.“
Bernd Böttner möchte als Nachfolger Gerhard Paulis, der Ende 2009 in den Ruhestand gegangen war, das Propstamt einladend und offen gestalten. In seiner Predigt ging er darauf ein, dass Kirche einen Weg zu den Menschen finden muss. „Wir feiern gerne Gottesdienst in unseren Kirchen. Aber es braucht auch die Bewegung nach draußen in die Welt“, so der neue Propst. Er ermutigte zum Gespräch miteinander. „Predigen hat seine Zeit und miteinander Reden hat seine Zeit.“ Heute lebten und wüchsen Gemeinden nicht nur in Gottesdiensten, Gemeindeveranstaltungen und Kirchentagen.
„Gemeinde lebt und wächst von dem Glauben, der im Alltag gelebt wird, in offenen Häusern, in denen Menschen leben und wirken.“ Der Erfolg kirchlicher Arbeit liege dabei nicht allein in unserer Hand. Gottes Segen sei dazu nötig, um selbst Glauben zu wecken und zu schenken.
Das Propsthaus in Hanau, in das Bernd Böttner mit seiner Frau Monika gezogen ist, soll ein offenes Haus sein, „in dem wir einander begegnen können.“ Genauso warte er auch auf Einladungen in andere Häuser. „Ich wünsche mir und uns, dass wir in unseren Begegnungen und Gesprächen berührt werden von der Kraft des Heiligen Geistes, der froh machen, trösten und Kraft schenken kann.“
Britta Gutsch


