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Gemeinsam leben, miteinander feiern

03.11.2017 - 0 Kommentare

 

Bad Hersfeld. Wer kennt es nicht, das Lullusfest, das älteste Volksfest Deutschlands, das seit 852 am 16. Oktober, dem Todestag des Gründers von Hersfeld, des Mainzer Erzbischofs Lullus, gefeiert wird. Für „Herrschfeller und Hergeloffene", aber auch für ehemalige Bewohner markiert das inzwischen neun Tage andauernde Treiben den Beginn der „fünften Jahreszeit".

 

 

 

Traditionsgemäß startet es mit der „Lollsrede" des Bürgermeisters, in der dieser wichtige Ereignisse des zurückliegenden „Lollsjahres" Revue passieren lässt, und dem Anzünden des Lullusfeuers durch Bürgermeister
und Feuermeister. In einer Art Wechselrede beschwören die beiden die Tugenden der Bewohner der Stadt und ihr Gottvertrauen:

 

„Wir zünden an uralten Brand, was soll er künden dem deutschen Land? – Am guten Alten woll’n fest wir halten! – Und warum hüten in treuer Hut wir Tag und Nacht des Feuers Glut? – Wie die Väter in Ehren woll’n wir uns bewähren! – Das Feuer brennt mit hellem Schein, was soll der Bürger Losung sein? – Hersfeld, die Stadt, sie trägt im Schild ein Kreuz und einen Löwen wild. In Kreuz und Leid hab Löwenmut und trau auf Gott, es wird wohl gut!" Im Anschluss daran wirft der Bürgermeister eine brennende Fackel auf einen in einer Grube vorbereiteten Holzstoß, und spätestens dann, wenn die ersten Flammen lodern, erschallt der Schlachtruf: „Enner, zwoon, dräii – Bruuuder Lolls!".

 

Nur kurz darauf beginnt der Festzug. Rund zwei Stunden lang schlängelte er sich dieses Jahr unter dem Motto „Luther feiert Lolls" durch die Stadt. Logisch, dass der Reformator bei fast allen der über 60 Gruppen und Wagen präsent war. Was angesichts der Tatsache, dass er bereits Anfang Mai 1521 auf dem Rückweg vom Reichstag zu Worms in Hersfeld präsent war und predigte, nicht verwundert. Dass er von den Hersfeldern freundlich aufgenommen worden war, veranlasste Mitglieder der Kirchengemeinde, mit reich gedeckten Tischen im Festzug mitzumarschieren.

 

Inoffiziell beginnt das Lullusfest seit einigen Jahren übrigens schon am Sonntagmorgen mit dem Lollslauf. Größte teilnehmende Gruppe war diesmal das Team des Obergeiser Pfarrers Michael Zehender, der 95 Mitglieder seines Kirchspiels überzeugt hatte, mitzulaufen. Alle kamen ans Ziel.

 

 

Großen Zuspruch fand wie immer der Schausteller-Gottesdienst, zu dem Pfarrer Volker Drewes am Sonntagabend unter das Dach des Autoscooters eingeladen hatte. In ihm wurde der junge Ian Willing getauft. Sein Pate war Uwe Wynohradnyk von der gleichnamigen Mandelbrennerei. An der dürfte so manch einer beim Fackelzug vorbeigegangen sein – auf dem Weg in die Stiftsruine, in der Dekan Dr. Frank Hofmann die Festrede hielt. Hofmann begann mit dem Luther-Wort: „Ich fresse wie ein Böhme und saufe wie ein Deutscher!" – als Beleg dafür, dass Fröhlichkeit für Luther große Bedeutung gehabt habe – sowohl im Blick auf die Gottesbeziehung der Menschen als auch im Blick auf das Miteinander der Menschen. Letztendlich gehe es, so Dr. Hofmann, darum, das eigene Leben in Gemeinschaft mit anderen zu genießen, miteinander zu feiern und den Mitmenschen im Blick zu haben.

 

 

 

Wilfried Apel

 

 

 

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