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Wie Luther den Teufel mit dem Tintenfass besiegte

28.03.2017 - 0 Kommentare

 

Selters-Münster, Villmar-Weyer, Weilmünster-Wolfenhausen (uf). Es ist eine fromme evangelische Legende, die zu berichten weiß, dass einst dem über seiner Bibelübersetzung brütenden Reformator Mattin Luther der Teufel erschienen sei. Und dass Luther dann kurz entschlossen den Satan durch den Wurf seines Tintenfasses vertrieben habe. Noch bis ins letzte Jahrhundert zeigte man auf der Wartburg stolz den Tintenfleck an der Wand in Luthers Studierstube. Und, da fromme Besucher gerne etwas von dem durch Tinte geschwärzten Putz als Souvenir mitnahmen, wurde der Fleck wohl immer wieder nachgezeichnet. Heute kann man auf der Wartburg nur noch eine Fläche beschädigtes Mauerwerk erkennen.

 

 

 

Aber, dass Luther den Teufel mit Tinte besiegt hat, daran gibt es keinen Zweifel: Schließlich hat der Reformator durch die Übersetzung der Bibel einen Grundstein gelegt für ein evangelisches Bekenntnis, in dem es für den Teufel keinen Platz gibt. Allerdings – und das arbeitete im Gottesdienst am Sonntag Invocavit, dem ersten Sonntag der Passionszeit, Gemeindepfarrer Ulrich Finger in den Gottesdiensten in Weyer, Münster und Wolfenhausen in seiner Rolle als „Hulderych de Fromholdskerke" in mittelalterlicher Sprachform heraus: Es gibt auch für glaubende Menschen das Böse, die Versuchung und die Angst. Gerade die Versuchungen sind für den Glaubenden eine stetige Bedrohung, das persönliche Heil und das Heil der Welt gottlos zu suchen.

 

Das Evangelium des ersten Sonntags der Passionszeit konfrontiert den fastenden Jesus mit dem Versucher, der ihm das Ende aller weltlichen Not, die Gewissheit göttlichen Schutzes und die Herrschaft über alle Reiche dieser Welt verspricht. Jesus widersteht den Verlockungen und Versprechungen des Bösen und weist den Versucher so in die Schranken. Und es fällt auf, dass die Gestalt des Versuchers erst beim Verrat durch Judas im Evangeliumstext wieder in Erscheinung tritt.

 

In seiner Gottesdienst-Inszenierung moduliert Pfarrer Ulrich Finger Ängste und teuflische Bedrohungen durch verschiedene Ebenen der menschlichen Psyche. Die Angst Luthers vor seinem leiblichen Vater, die Ängste des Mönchs vor einem Gericht nach den Werken, aber auch die stete Bedrohung durch die Mächte seiner Zeit – Hulderych de Fromholdskerke zeigte die Spuren des Bösen im Leben Luthers und seiner Zeitgenossen.

 

Er unterstrich aber auch, dass im Kreuz Christi der Teufel zum Verlierer geworden ist. Nicht nur damals, sondern auch heute gilt für den Glaubenden im Blick auf den Teufel: „Ein Wörtlein kann ihn fällen".

 

 

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