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Die Glocke ist geglückt

21.08.2015 - 0 Kommentare

 

Waldeck (pm). Mehr als 1000 Besucher fanden sich kürzlich auf dem Waldecker Festgelände ein, um beim Jahrhundertereignis, dem Glockenschauguss für die revitalisierte Burgkapelle St. Ägid, live dabei zu sein. Bereits einen Tag vor dem großen Ereignis hoben die Glockengießer und die Verantwortlichen des Heimat- und Kulturvereins Waldeck gemeinsam das Erdloch aus, in welches die mitgebrachte Glockenform für den Guss am Abend versenkt wurde. Neugierig verfolgten rund 400 Kinder die Aktion. Interessiert lauschten sie den Erklärungen des Glockengießers Bruder Michael und stellten ihm viele Fragen. Anschließend nutzten sie die Möglichkeit, die Geschichte der Glockengießer-Abtei Maria Laach, die Arbeit des Heimat- und Kulturvereins Waldeck und die Burghistorie kennenzulernen.

 

 

 

Thomas Bärthlein vom regionalen Fernsehsender OTV führte auf unterhaltsame Weise durch den Abend des Glockengusses und hin zum ersehnten Moment, dem spektakulären Guss der Glocke für die Burgkapelle St. Ägid. Da ihm Grußworte zu langweilig erschienen, führte er in Interviewform durch den Abend. Bruder Michael gab hierbei bereits einen Ausblick auf die Klangfarbe der Glocke und wies mit „Galgen"-Humor auf die Risiken eines Glockengusses hin: „Drei Tode sterbe ich beim Guss einer Glocke – beim Gießen, beim Ausgraben und Entpacken der abgekühlten Form sowie beim ersten Anschlagen."

 

Die letzten, spannenden Minuten vor dem Schauguss, als die Gießer auf die noch fehlenden, notwendigen Temperaturgrade des heißen Metalls – der Glockenspeise – warteten, erklang passend der Improvisationsgesang „damit Glock’n a schäi wird".

 

Nach einer ökumenischen Andacht, in welcher der Segen für die entstehende Glocke erbeten wurde, war es um 21.40 Uhr nun endlich so weit: Die Glockenspeise hatte die notwendige Temperatur von über 1150 Grad Celsius erreicht, die Gießer gaben grünes Licht und begannen bei bereits eingetretener Dunkelheit mit dem Schauguss. Zu zweit schöpften sie die heiße Glockenbronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, aus dem Schmelzofen und bugsierten diese über eine rund zwei Zentimeter kleine Öffnung in die Glockenform im Erboden. Das aus der Form entweichende Gas entzündete sich und bildete spektakuläre Feuerfontänen. Es glüht, brennt und zischt auf dem Waldecker „Glocken-Acker". Nach rund 100 Sekunden war es vollbracht, der Glockenkanal war gefüllt. Bis hierhin war alles gut gegangen.

 

 

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