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Beeindruckende Wortkunst: Mal poetisch, mal provokant

22.07.2015 - 0 Kommentare

 

Marburg. „Ich bin Papst!", träumt Bo Wimmer. Visionen einer friedlichen und gerechten Welt entstehen in diesem Traum, aber auch einiges, was nicht unbedingt papstgemäß ist. Aber egal, da Wimmer als Papst unfehlbar ist, kann er anordnen, was er will. Und alle folgen ihm. Nur am Schluss muss er feststellen: „Gott fand mich doof!"

 

 

 

Der erfahrene Poetry-Slammer Bo Wimmer moderierte in Marburg ein Best-of-Predigt-Slam. Das Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philipps-Universität und das Studienhaus der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hatten zu einer Lesebühne auf dem Lutherischen Kirchhof eingeladen. Waren anfangs lediglich 25 Zuhörer erschienen, so wuchs das Publikum im Laufe des Abends zusehends an. Laut wurden die Vortragenden beklatscht. Zahlreiche Passanten blieben stehen und hörten zu.

 

Der Predigt-Slam ist ein poetisches Spiel mit Worten, manchmal provokant, manchmal etwas pubertär. Oft ist es lustig; manchmal entsteht der Witz eher im Wollen des Publikums. Anderes ist nachdenklich. So sinnierte Elisa Schneider über die dunkle, unheimliche und unverständliche Seite Gottes, die Menschen fragen lässt: „Warum geschieht das? Warum lässt er das zu?" Sie tut dies aus der Perspektive Gottes und lässt ihn schließlich zu Jesus sagen: „Ich plane die Apokalypse vorzuziehen."

 

Seit fünf Jahren baut Prof. Dr. Thomas Erne in seine Predigtseminare Elemente des Poetry-Slams ein. Es ist das Spiel mit Worten und die Präsentation auf der Bühne, durch die Erne mit seinen Studenten Impulse für die Predigtpraxis erschließen will.

 

Auch erfahrene Prediger wie Dr. Gerhard Neumann, Leiter des Studien-
hauses, lassen sich auf diese Form ein. In seinem Text fühlte sich Neumann durch das Wort Jesu „Ihr seid das Salz der Erde!" geradezu verfolgt und seiner Ruhe beraubt.

 

Beeindruckend war der emeritierte praktische Theologe Prof. Dr. Marcel Martin, der sich in seinem Text bei der Einreise in die USA einer Forderung nach Zolldeklaration gegenüber sieht. Er versteht sie falsch und trägt die amerikanische Unabhängigkeitsdeklaration vor. Das sorgt für heilsame Verwirrung bei dem Zollbeamten und für Lacher beim Publikum auf dem Kirchhof.

 

Die Erotik von Fifty Shades of Grey und religiöse Mystik verband Elena Steinbrecher, während Max Bode, der angeblich unter einer Zwangsstörung litt, ständig theologische Begriffe hervorpressen musste. Katharina Scholl machte sich Gedanken über die Ewigkeit („Du Hanswurst unter allen Versprechen!") und Thomas Erne packte einen spirituellen Notfallkoffer.

 

Anlass für diesen Predigt-Slam war eine Buchvorstellung. Die besten Texte aus den vergangenen Jahren und viele Informationen über die Hintergründe des Predigt-Slams sind nachzulesen in:

 

 

• Katharina Scholl/Gerhard Neumann/Thomas Erne (Hrsg.), predigt slam, Jonas-Verlag, ISBN 9-783-89445-513-2.

 

 

 

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