Kirchentag in Stuttgart 2015

12.06.2015 - 0 Kommentare

Ein großes, buntes Fest des Glaubens ist zu Ende gegangen. Ein Friedenskirchentag sollte der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart werden, die Thematik lag angesichts der kriegerischen Zustände auf unserer Erde auf der Hand. In den Veranstaltungen dazu wurde deutlich, dass Christen dazu etwas zu sagen haben und es nicht den Politikern allein überlassen wollen, wie ein funktionierendes Miteinander zu gestalten ist. Kirchentage zeigen, dass Christsein kein Nischendasein ist. In einer Atmosphäre des Respekts und der Achtsamkeit werden die „heißen Eisen" des gesellschaftlichen Lebens angegangen. Christsein bedeutet, sich eine Meinung zu bilden und sich einzumischen, wenn etwas schief läuft.

 

„Damit wir klug werden" hieß das Motto vielversprechend. Kluge Fragen gab es viele, was bekanntlich die Voraussetzung für kluge Antworten ist. Von Fragen zur sozialen Gerechtigkeit über die Homo-Ehe bis zur Migrations- und Flüchtlingspolitik reichte die Bandbreite der Kirchentagsthemen. Wer das dicke Kirchentagsprogramm studiert hatte, konnte bass erstaunt sein über die Vielfalt, die Kirche zu bieten hat.

 

Im Abschlussgottesdienst auf dem Cannstatter Wasen wurden sie dann noch einmal geschwungen, die Kirchentagsschals, die diesmal leuchtend rot ihr Zeichen setzten. Bevor es auf den Heimweg geht, saugen alle es noch einmal ein, dieses unbeschreibliche Kirchentagsgefühl. Gemeinsam singen, gemeinsam beten, gemeinsam das Brot teilen.

 

Es macht einen Unterschied, ob im Sonntagsgottesdienst eine Handvoll Gemeindeglieder den Worten des Pfarrers lauscht, oder ob es Zehntausende Gläubige sind, in deren Mitte ich mich aufgehoben fühle. Verlieren Kirche und Glauben im alltäglichen Leben immer mehr an Bedeutung, vergewissern sie sich auf Kirchentagen ihrer selbst. Es wird deutlich: der individuelle Glaube im stillen Kämmerlein reicht nicht aus, Christsein bedeutet Glauben in Gemeinschaft.

 

Kirchentage stechen natürlich als besondere Höhepunkte mit ihrem riesigen Aufwand heraus. Wo sonst erlebt man eine solche Vielfalt an Bibelarbeiten, Gottesdiensten, Konzerten und vielem mehr. Meinen ersten Kirchentagsbesuch erlebte ich beinahe wie eine Parallelwelt, die so gar nichts mit dem normalen Gemeindealltag zu tun zu haben schien. Mittlerweile weiß ich, dass es möglich ist, das Kirchentagsgefühl mit den Daheimgebliebenen zu teilen.

 

Ich wünsche allen Kirchentagsheimkehrern, dass Sie die Inspiration aus Stuttgart mit in Ihre Gemeinden nehmen können. Mögen Sie dort andere anstecken mit dem Feuer des Glaubens und der Liebe, so dass eine beständige Flamme für alle übrig bleibt.

 

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